Zeitung für Mitglieder der evangelischen Kirche in Frankfurt am Main
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Mit einem witzigen Filmchen wirbt die evangelische Kirche für ehrenamtliches Engagement in diakonischen Einrichtungen. Angesprochen werden sollen damit auch jüngere und berufstätige Menschen.
Frankfurt, Hauptwache. Als Oma Maria über den Zebrastreifen geht, kippt ihr Einkaufs-Trolley um. Obst purzelt heraus. Viele Leute halten an, bücken sich, helfen beim Aufsammeln. Oma Maria bedankt sich und verteilt Karten: „Genau Sie haben wir gesucht – Diakonisches Werk Frankfurt“.

Lustige ältere Damen bitten um Hilfe – ironisch und gleichzeitig ernst gemeint werben Oma Klara und Oma Maria in einem Videoclip für ehrenamtliches Engagement in sozialen Einrichtungen. Im Internet kann man mehr über sie erfahren. Foto: dw
Die 82-Jährige ist eine von drei alten Damen, die im Rahmen der Aktion „Help the Oma“ mit versteckter Kamera in Alltagssituationen gefilmt wurden, um für ehrenamtliches Engagement zu werben. Die Idee zu dem Spot wurde von der Werbeagentur Saatchi und Saatchi in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk für Frankfurt entwickelt, auf dessen Webseite die Filmchen und weitere Informationen seit Februar zu sehen sind.
Mit Erfolg: Bis dato haben sich 45 Menschen gemeldet, um sich in einer der diakonischen Einrichtungen in Frankfurt zu engagieren: bei der Bahnhofsmission, beim kirchlichen Sozialdienst am Flughafen, bei der Notfall- oder Telefonseelsorge, bei der Nachbarschaftshilfe Rödelheim-West, im Evangelischen Hospiz oder bei der Seniorenhilfe. Einige stellen sich für einmalige Aktionen oder Projektarbeit zur Verfügung, manche sind sogar bereit, eine Aus- oder Weiterbildung zu machen, um dann regelmäßig mitzuarbeiten. Jede Hilfe ist willkommen. Anfragen, wo man sich ehrenamtlich engagieren kann, kamen auch aus anderen Städten, sogar aus dem Ausland.
Mit der Internet-Aktion will die Frankfurter Diakonie vor allem eine jüngere Zielgruppe ansprechen. „Ich glaube, dass wir in Zukunft noch viel zielgruppengenauer arbeiten müssen“, sagt Öffentlichkeitsreferent Jörn Dietze. „Etwa den Bankmananger ansprechen, der in seinem Bereich hohe Kompetenz, aber wenig Zeit hat, oder die junge Mutter, die manchmal helfen kann, wenn ihre Kinder im Kindergarten sind.“
Dietze unterstreicht, dass ehrenamtliches Engagement nichts mit Selbstaufgabe zu tun hat: „Im Gegenteil. Man gibt nichts auf, sondern bringt etwas ein und bekommt etwas dafür: Teamarbeit, neue Kontakte, Entdeckung von Potenzialen, die man bisher noch nicht kannte oder ausleben konnte, Sinnstiftung.“
Aber mit „Help the Oma“ will die evangelische Kirche das Thema Engagement auch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. „Zu einer Gesellschaft, die gelingen soll, gehören Solidarität und Engagement“, erklärt Dietze. Tatsächlich war das Presse-Echo auf die Aktion enorm. Der Videoclip kann im Internet unter www.help-the-oma.de angesehen werden.
Ich hatte Lust dazu. Ich wollte etwas Gutes tun. Da ist mir ein Flyer vom Diakonischen Werk in die Hände gefallen, in dem es um Nächstenliebe ging. Das hat mich angesprochen. Ich bin berufstätig, habe eine Freundin, lebe aber alleine. Ich habe ein, zwei Abende in der Woche Zeit, die ich jemand anderem widmen kann. Hier in meinem Stadtteil. Über den Jugendclub Treff 38 wurde mir eine junge Kurdin vermittelt, die an der Berta-Jourdan-Schule zur Erzieherin ausgebildet wird. Seit einem halben Jahr treffen wir uns immer am Dienstagabend. Sie bringt Texte mit, die sie reflektiert, und andere Aufgaben. Ich helfe ihr mit dem Deutsch, auch mit Mathe. Das Arbeiten mit ihr macht mir richtig Freude – sie ist auch sehr zuverlässig. Und ich lerne immer mehr, mich selbst zurückzunehmen und nicht gleich mein eigenes Wissen oder gar Lösungen aufzudrücken.
Menschen, denen es nicht so gut geht, muss man unterstützen. Eine Zeit lang war ich in dem Team von Diakonie und Caritas, das damals noch den Flüchtlingsdienst am Flughafen stellte – ein tolles Team. Mir ist sehr klar geworden, dass niemand freiwillig seine Heimat verlässt. Ich war sehr be-eindruckt, wie respektvoll die Asylbewerber miteinander umgingen. Jetzt helfe ich jeden ersten Sonntag bei der Obdachlosenspeisung in der Epiphaniaskirche, zu der etwa achtzig Menschen kommen. Ich glaube, heute ist es relativ leicht, von einer gesicherten Position in ein tiefes Loch zu fallen. Das Schlimmste ist dann nicht der Hunger, sondern der Verlust an Würde. Deshalb ist es mir wichtig, die Menschen mit viel Respekt und großer Freundlichkeit zu behandeln. Wir sind ein Team von acht Leuten, auch zwei junge Mütter nehmen sich die Zeit.
Ich habe „Help the Oma“ im Fernsehen gesehen und fand den Spot hinreißend. Dann bin ich auf die Homepage des Diakonischen Werks gegangen, habe mich umfassend informiert und Kontakt aufgenommen. So bin ich schließlich beim Info-Nachmittag über den Sozialdienst auf dem Frankfurter Flughafen gelandet. Ich fühle mich der evangelischen Kirche verbunden und finde es sehr sinnvoll, Menschen, die am Flughafen ankommen oder dort wegwollen, zu helfen. Vielleicht einer Frau aus Haiti, die mit nichts hier ankommt, oder einem Erntearbeiter aus Bulgarien, der kein Geld mehr hat, um nach Hause zu fliegen. Ich bin ja auch so eine „verwöhnte Göre“, aber ich glaube nicht, dass Schicki-Micki und „Wir-können-uns-alles-leisten“ die Realität ist. Das Leben der meisten Menschen sieht ganz anders aus. Am Flughafen ist es lebendig. Das gefällt mir.
Mit 60 habe ich angefangen, über meinen letzten Lebensabschnitt nachzudenken: Dann habe ich eine Ausbildung zum Hospizhelfer gemacht, war beruflich aber noch zu eingespannt, um regelmäßig zu helfen. Vor einem Jahr hatte ich einen Herzstillstand. Nach der Reha bin ich über „Help the Oma“ zum Evangelischen Hospiz gekommen, wo ich seit März einmal in der Woche an der Pforte sitze: Die Angehörigen der Menschen, die hier sterben, müssen sich hier ja erst einmal zurecht finden. Einmal wurde ich auch schon als „Tischherr“ zum Plaudern beim Essen gebeten. Vor Tod und Sterben habe ich keine Angst, ich war ja schon ganz nah dran. Jetzt will ich nur noch Dinge tun, die mir wichtig sind und die mir Spaß machen. Letztes Jahr bin ich dem Tod von der Schippe gesprungen – ich habe also etwas Gutes bekommen und will es zurückgeben.
Stephanie von Selchow
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