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Von – 1. Juli 2010

Hält Leib und Seele zusammen

Die Teestube Niederrad bietet seit 25 Jahren mehr als Speisen und Getränke

Mit Freundlichkeit und Humor werden „Gäste“ in der Teestube Niederrad bewirtet. Inzwischen kommen weniger Wohnsitzlose als vielmehr Hartz-IV-Empfänger und mittellose Renter- und Rentnerinnen. Foto: Rolf Oeser

Die Ruhe vor dem Sturm riecht nach Kaffee und Kuchen. In den vergangenen zwei Stunden haben die Damen von der Teestube Backwerk geschichtet, Thermoskannen befüllt und Gedecke arrangiert. Und schon trudeln die ersten Gäste ein. Für Ute Odoy, Helga Hardt, Helga Herma und Elisabeth Schell kein Grund zur Panik. Die Besucher machen es sich schon mal an den Tischen bequem. Es wird in Zeitungen geblättert, über das Wetter oder die allgemeine Lage geschimpft. Die Tür schlägt jetzt im Minutentakt, und schnell sind die freien Stühle rar. Es geht ganz ungezwungen zu, beinahe familiär. Ein „Hallo“ hier, ein „Na, wie geht’s?“ da, in der Küche röchelt vernehmlich die Kaffeemaschine. So, als würden sich die Mitglieder des örtlichen Gesangvereins zu ihrem Jahrestreffen versammeln. In der Tat kennen sich die meisten der rund 40 Personen. Das Regenbogenhaus der Niederräder Paul-Gerhardt-Gemeinde ist schließlich eine beliebte Adresse – seit nunmehr 25 Jahren. So lange schon wird hier unter dem Motto „Wir empfangen Gäste, nicht Bittsteller“ vierzehntägig der Kaffee- und Abendbrottisch gedeckt.

Das Projekt, das gemeinsam mit der katholischen Gemeinde Mutter vom Guten Rat unterhalten wird, ist für Manfred ein fester Termin im Kalender. Seit zwei Jahrzehnten freut den erwerbslosen Metallarbeiter nun bereits der Austausch mit Menschen, die in ähnlichen Lebenssituationen stecken. Dafür nimmt er gerne den langen Anfahrtsweg vom Frankfurter Norden in Kauf. Die Möglichkeit, in einem geschützten Raum zu sitzen und sich wohlzufühlen, erachtet Mitbegründer Helmut Helbich als die Stärke der ehrenamtlichen Initiative. Das Essen sei natürlich wichtig, stehe für die meisten Besucher aber nicht an erster Stelle. Zudem seien an den Teestuben-Nachmittagen entweder er selbst, die katholische Gemeindereferentin Sabine Weyerhäuser oder Pfarrerin Angelika Detrez Ansprechpartner vor Ort. Falls denn einmal jemand mit einem Problem herausrücke, was aber selten vorkomme.

War die Teestube 1985 in Frankfurt eine der ersten Einrichtungen dieser Art, beruhigt es Helbich, heute auf ein „vorbildliches Netzwerk“ zu blicken. Wachsende Sorge bereitet dem pensionierten Personalleiter eines Großunternehmens dagegen die stark veränderte Struktur der Gäste. In den Anfangsjahren seien im Regenbogenhaus überwiegend Wohnungslose bewirtet worden. Inzwischen freuten sich haupt- sächlich mittellose Rentner und Hartz-IV-Empfänger über das Angebot. Eine Entwicklung, zu der Christen nicht schweigen dürfen, findet Helbich und erinnert an das Bibelwort „Einer trage des anderen Last“. Dass man es in Niederrad tatsächlich befolgt, löste bei Teestubengast Michael ein Nachdenken über den Glauben aus. Der 39-jährige Frührentner hat darüber den „Wert der geistigen Nahrung“ schätzen gelernt. Die guten Bücher, die ihm durch die Kirchengemeinden in die Hände gefallen sind, seien ihm mittlerweile wichtiger als die Speisen auf dem Teller.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2010 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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