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Von – 1. Juli 2010

Intensive Begegnungen mit Menschen

Brigitte Lüben arbeitet als ehrenamtliche Seelsorgerin

Foto: Rolf Oeser

„Ich habe viele Kraftquellen“, sagt Brigitte Lüben mit ruhiger, nachdenklicher Stimme. Dabei lehnt sie sich etwas in den Sessel zurück, legt die schmalen Hände zusammen und erzählt von ihrer Aufgabe als ehrenamtliche Seelsorgerin im Hospiz Sankt Katharina. Eine Arbeit, die viel Kraft kostet, die die 67–Jährige aber dennoch als großes Geschenk erlebt. „Ich habe dabei Fähigkeiten in mir entdeckt, die mir gar nicht bewusst waren“, erklärt sie. Im Hospiz begegnet sie sterbenden und unheilbar kranken Menschen, die ganz besondere Bedürfnisse haben. Sie hält ihnen die Hand und hört zu, wenn sie von ihrem Schmerz und ihrer Verzweiflung erzählen. Manche sind mit ungeklärten Dingen des Lebens belastet, andere treibt die existentielle Frage nach dem Tod um. Für jeden „Gast“ im Hospiz nimmt Lüben sich Zeit und bietet auch den Angehörigen das Gespräch an. „Ich kann das Schicksal dieser Menschen nicht wenden, aber ich kann sie auf ihrem Weg ein Stück weit begleiten“, sagt sie. Auch ein Gebet oder eine Andacht gehören dazu, wenn gewünscht.

Seit vier Jahren verbringt Lüben jeden Mittwochnachmittag im Hospiz und gehört dort zum Team der ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger. Die Ausbildung dazu hat sie zwischen 2003 und 2004 beim Ökumenischen Arbeitskreis Seelsorgeausbildung (ÖAK) absolviert: „Ich bin evangelisch, aber sehr ökumenisch eingestellt“, erklärt sie. Dann fing Lüben im Marienkrankenhaus an und wechselte drei Jahre später ins Hospiz Sankt Katharina: „Es ist offen für Konfessionelle und Nicht-Konfessionelle.“ Ins Hospiz zu wechseln sei keine leichte Entscheidung ge­wesen, aber ihre Erfahrung als Trauerbegleiterin habe ihr dabei geholfen, sagte die Seelsorgerin. Zum Lebensthema waren ihr die existentiellen Fragen nach Krankheit, Sterben und Tod schon viel früher geworden. Mit 33 Jahren, kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes, wurde bei ihr Krebs festgestellt. Sie setzte sich in Gesprächsgruppen mit ihrer Krankheit auseinander und realisierte 1993 in der Evangelischen Familienbildungsstätte Offenbach ein Konzept für eine Trauergruppe. Dabei konnte sie auf ihre Erfahrung in der Erwachsenenbildung zurückgreifen. Bis heute bietet sie Gesprächsgruppen für Trauernde an.

„Die Erwachsenenbildung hat auch meine Arbeit als Lehrerin befruchtet“, sagt Lüben, die vor ihrem Ruhestand an der Schule am Ried Englisch und Religion unterrichtete. Den Kontakt zu der Jugend pflegt sie bis heute, sei es beim Projekt „Ried-Pate“, beim Büro Aktiv oder bei der Organisation von Schüler-Einsätzen in sozialen Einrichtungen. Doch so vielfältig ihre Interessen und ihr Engagement auch sind, die Seelsorge füllt sie im besonderen Maße aus. „Es kommt dabei zu ganz tiefen, ganz intensiven Begegnungen mit anderen Menschen“, erklärt sie und ist dankbar dafür, dass sie an der einjährigen Ausbildung für Ehrenamtliche und Hauptamtliche teilnehmen konnte. Sie schätzt den intensiven Austausch in ihrer Supervisionsgruppe, die Fortbildungstreffen und die Unterstützung von den hauptamtlichen Seelsorgern und Seelsorgerinnen. Auch ihr Mann hat die Seelsorgeausbildung gemacht, und der Erfahrungsaustausch bereichert nun ihr gemeinsames Leben in einem Maße, wie beide es nie erwartet hätten.

Kraft für die Seelsorge im Hospiz schöpft Lüben aus den verschiedensten Quellen. Etwa aus dem stillen Gebet in der Kapelle und dem Loslassen-Können. „In die Hände Gottes legen“, beschreibt sie diesen inneren Prozess. Dann kann sie sich auch wieder anderen Dingen zuwenden: Der Literatur und der Kunst, der Familie, Freunden oder dem bürgerschaftlichen Engagement. „Man muss sich auch des Lebens freuen können“, sagt sie und hat gelernt, auf diese innere Balance zu achten.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2010 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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