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Von – 1. Juli 2010

Kirche goes Web 2.0

Netzbegeisterte trafen sich in Frankfurt zum Austausch über kirchliche Onlineprojekte. Ob klassische Gemeindehomepage, Bloggen oder Twittern: Das Internet eröffnet viele neue Möglichkeiten.

Vortragsthemen und Diskussionsrunden werden von Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst bestimmt. Foto: Tom Noeding

„Ich bin drin!“ In Deutschland hatte der Durchbruch des Internet ein Gesicht, und zwar das von Boris Becker mit seinem Werbespruch für einen Internetdienstleister. Was damals noch neu war, hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre zu einem weit verbreiteten und selbstverständlichen Informations- und Kommunikationsmedium entwickelt. Auch Kirchengemeinden oder kirchliche Einrichtungen haben in der Regel eine Internetseite mit Informationen und Kontaktangaben. Doch das sogenannte Web 2.0, die zweite Generation des World Wide Web, hat diese Art der Internetkommunikation längst hinter sich gelassen und bietet als sogenanntes „Mitmach-Internet“ zahlreiche neue Möglichkeiten das Internet als Informationskanal, als Kontaktplattform und Darstellungsportal zu nutzen. Eine Chance auch für die Kirche?

Um darüber zu diskutieren und ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Web 2.0 auszutauschen, trafen sich Anfang Mai rund 150 Netzbegeisterte aus ganz Deutschland zum ersten kirchlichen Barcamp (siehe auch Kasten) in den Räumen der Frankfurter Kirchengemeinde Bornheim. „Es gibt keine Zuschauer, nur Teilnehmer“ – so lautet das Motto der Barcamp-Bewegung, die aus den USA stammt und in den 1990er Jahren vor allem eine Seminarmethode für spezielle Internetentwickler war.

In ungezwungener Atmosphäre trafen sich Interessierte zum offenen Austausch über die Wahrnehmung und Zukunft von Kirche im Internet. Dabei konnte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer selbst Themen vorschlagen und darüber in Diskussionsrunden, sogenannte „Sessions“, die nicht länger als 45 Minuten dauern, sprechen und sich mit anderen Teilnehmenden austauschen. Dass das Internet eine große Rolle auch in der kirchlichen Kommunikation spielen muss, – darüber herrschte Einigkeit. Von Fundraising über die Frage, wie man die Gemeinde ans Netz bekommt, bis zu praktischen Tipps für die kirchliche Arbeit reichte die Bandbreite der Themen. Dass es bei all dem vor allem darum geht, Beziehungen zu pflegen und sich offen und authentisch mit anderen Menschen zu vernetzen, war ebenfalls ein Fazit der Teilnehmenden.

Während die Fachleute diskutieren und Angebote zu Internetseminaren und -tagungen wie Pilze aus dem Boden schießen, machen Andere sich mit kleinen Web 2.0-Schritten selbst auf den Weg. „95 Prozent der Neukontakte kommen mittlerweile über unsere Gemeindehomepage“, sagt zum Beispiel Horst Peter Pohl, Pfarrer der Dreifaltigkeitsgemeinde im Frankfurter Westen. Seiner Erfahrung nach suchen vor allem jüngere Gemeindemitglieder oder Familien über das Internet nach Informationen und Angeboten. Von der Kindertagesstätte über Konzerttermine bis hin zur Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Rund 150 christliche Blogger, Webmaster von Gemeindeinternetseiten und interessierte Onliner kamen am 1. und 2. Mai zum Barcamp in die Frankfurter Evangelische Gemeinde in Bornheim, um sich über Online-Glaubenskommunikation auszutauschen. Foto: Tom Noeding

Horst Peter Pohl kann nachvollziehen, dass für viele Menschen die Kirchenmitgliedschaft heute nicht mehr selbstverständlich ist, sondern eine bewusste Entscheidung. Er hat auch Verständnis dafür, dass der sonntägliche Gottesdienstbesuch häufig nicht „in die jeweilige Lebensphase passt“. Pohl glaubt, dass es im Internet viele Chancen und Anknüpfungspunkte für die Kirche gebe und dies auf ein Bedürfnis bei den Menschen stoße.

„Mir ist es wichtig, mich auch auf Neues einzulassen und dorthin zu gehen, wo die Menschen sind – zum Beispiel auch ins Internet“, sagt er. Und er macht damit gute Erfahrungen. Seit einigen Jahren schreibt er auf der Gemeindehomepage ein öffentliches Tagebuch, ein sogenanntes Blog. Seine Einträge dort handeln von Gott und der Welt, wie er selbst sagt: ein Türöffner zu Menschen, denen er oder die Gemeinde sonst nie begegnet wäre. Menschen aus dem eigenen Stadtteil, die ihn auf der Suche nach Seelsorge „gegoogelt“ haben oder durch Links von Dritten auf sein Blog gestoßen sind. Aber auch mit Pfarrkolleginnen und Pfarrkollegen, die sich untereinander fragen: „Wie machst Du das?“

Thomas Breitenbach, der in der Bornheimer Gemeinde ehrenamtlich mitarbeitet, sieht das ähnlich. Er kümmert sich unter anderem um die Internetpräsenz der Johanniskantorei der Bornheimer Kirchengemeinde. Eine gut sortierte und anschauliche Homepage ist nur die Grundlage für ihn. Er twittert auch unter @Johannisk20 die neuesten Konzerttermine oder andere Kurznachrichten, die Interessierte abonnieren können. „Die 30- bis 40-Jährigen erfahren über das Internet von uns“, sagt er. „Es ist wichtig, diese Altersgruppe auf deren Kommunikationskanälen anzusprechen, wenn wir weiter bestehen wollen.“ Twitter ist für Thomas Breitenbach nur eine Möglichkeit, die er ausprobieren und erstmal Erfahrungen sammeln will. Ein Konzert-Blog ist eine weitere Idee, wenn er dafür Zeit findet. Dabei ist ihm auch der Austausch mit Konzertbesuchern wichtig oder die Möglichkeit, kurze Konzertvideos ins Internet zu stellen. Ideen gibt es viele, welche Wege geeignet sind und die Bedürfnisse und Wünsche der „Internetgemeinde“ treffen, das kann letztlich jeder und jede nur selbst ausprobieren. Ein zweites Frankfurter Barcamp, um die Erfahrungen und Ideen weiter zu entwickeln, wird es im kommenden Jahr geben, sagt Camp-Organisator und Community-Manager Tom Noeding von evangelisch.de. Das Barcamp Kirche 2.0 soll von nun an zu einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe ausgebaut werden. Der nächste Termin soll im Frühjahr 2011 sein. Wieder im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde in Bornheim.

Ein Barcamp ist…

…eine offene Tagung, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern im Tagungsverlauf selbst entwickelt werden. Seit dem ersten Barcamp in Kalifornien 2005 gibt es dieses Veranstaltungsformat weltweit als besondere Form des Wissens- und Erfahrungsaustausches sowie als Ideenschmiede. Der Ablauf von Barcamps hat Ähnlichkeiten mit der Open-Space-Methode, ist jedoch lockerer organisiert. Es gibt Vorträge und Diskussionsrunden (Sessions), die zu Beginn eines Tages auf Pinnwänden durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst bestimmt und koordiniert werden. Doch es gibt auch Regeln: Alle Teilnehmenden sind aufgefordert, auch selbst einen Vortrag zu halten oder zu organisieren.

Barcamps werden hauptsächlich über Internet-Kanäle und –plattformen beworben und dokumentiert. Jeder kann selbst ein Barcamp organisieren und dafür auch das Wiki auf barcamp.org benutzen. Die Teilnahme ist kostenlos und nur aus Platzgründen begrenzt. Daher ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Die Kosten der Veranstaltung und für die Verpflegung werden von Sponsoren getragen.

Links zum Thema: www.evangelisch.de, www.offene-bibel.de, www.kirche20.mixxt.de.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Juli 2010 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Sandra Hoffmann ist Journalistin in der Evangelischen Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt.

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