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Von , – 1. September 2010

Nahostkonflikt in Deutschland

Rat der Religionen: Muslime müssen Holocaust berücksichtigen

Kritik an der israelischen Politik kann Doron Kiesel von der Jüdischen Gemeinde nachvollziehen. Nicht akzeptabel ist für den Professor für Migrations- und Integrationstheorien an der Fachhochschule Erfurt dagegen, wenn im gleichen Atemzug die Existenzberechtigung des Staates bezweifelt wird. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.

Diskutierten in der Evangelischen Stadtakademie - von links nach rechts: Ayman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland, Pröpstin Gabriele Scherle, Doron Kiesel von der Jüdischen Gemeinde, Roland Löffler, der das Podium moderierte, der Grünen-Politiker Omid Nouripour und der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Foto: Ilona Surrey

Bei einer vom Frankfurter Rat der Religionen initiierten Podiumsdiskussion „Das wird man doch noch sagen dürfen!“ erläuterte Kiesel, dass viele Juden die Infragestellung Israels als Angriff auf die eigene Existenz begreifen, auch wenn sie in Deutschland leben. Das führte Kiesel auf den Holocaust zurück, der auch in der dritten Generation noch Thema sei. Er appellierte an die Muslime und Musliminnen in Deutschland, ein Bewusstsein für die besondere geschichtliche Verantwortung des Landes zu entwickeln.

Dem schloss sich der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, an. Die hier lebenden Muslime müssten sich damit auseinandersetzen, wie es zum Holocaust kommen konnte, und die Existenz Israels anerkennen, sagte Mazyek. Überdies forderte der Journalist seine Glaubensgeschwister auf, selbstkritisch zu fragen, „warum wir so empfänglich für Antijudaismus sind“. Zumal es Ähnlichkeiten zwischen Israel- und Islamkritik gebe: Die Argumentation sei in beiden Fällen „unglaublich pauschal“.

Solche Bewusstseinsbildung sei vor allem bei Jugendlichen aus Zuwandererfamilien wichtig, betonte Gabriele Scherle, Pröpstin für Rhein-Main. Die von ihnen häufig erfahrene Ausgrenzung nähre einseitige Sichtweisen. „Wir müssen Orte schaffen, an denen wir jungen Migranten zuhören und gegebenenfalls auf Augenhöhe widersprechen können.“

Vermehrt auf junge Muslime einzugehen und sie ernst zu nehmen, das hält auch Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, für überfällig. Man dürfe nicht ignorieren, dass in arabischen Kulturen Geschichte aus anderen Perspektiven vermittelt wird. Insgesamt macht der Politiker einen großen Diskussionsbedarf aus. Es gehe darum, die Lehren aus Auschwitz auf eine multikulturelle Gesellschaft zu übertragen und auf die Lage im Nahen Osten eine Antwort zu finden.

Über die war sich das Podium einig: Der Konflikt zwischen Israel und Palästina lässt sich nur politisch lösen. Einen Vorschlag dazu, so der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, könne er zusammen mit Aiman Mazyek „in zehn Minuten auf einem Bierdeckel formulieren“. Das Problem liege in der seit langem verhärteten Kommunikationsstruktur. Brumlik appellierte, „alles zu tun, damit der Nahostkonflikt nicht auf das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen in Deutschland überspringt“.

Antisemitismus – was ist das?

In Israel ist das Wort „Antisemitismus“ in aller Munde. Der 40 Jahre alte israelische Filmemacher Yoav Shamir wollte der Sache auf den Grund gehen. Was genau ist Antisemitismus?

Für seinen Film „Defamation“ (Diffamierung), der jetzt in Deutschland anlief, begab er sich mit der Handkamera auf die Suche. Er interviewte seine zionistische Großmutter und begleitete eine Gruppe israelischer Jugendlicher bei einer Fahrt nach Polen, wo sie Auschwitz und andere Mahnstätten des Holocaust besuchten. In den USA machte er sich ein Bild von der „Anti Defamation League“ (ADL), die den Kampf gegen Antisemitismus zu ihrer Profession gemacht hat, befragte den umstrittenen Historiker Norman Finkelstein, der meint, Israel und der ADL würden das Thema Antisemitismus nur für ihre politischen Zwecke instrumentalisieren.

Ein kontroverser Film, den die Evangelische Filmjury im September zum „Film des Monats“ gekürt hat.

Artikelinformationen

Beitrag von , , veröffentlicht am 1. September 2010 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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