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Von – 1. Dezember 2010

Kein Geld für Weihnachtsgeschenke

Weihnachten ist das Fest der Geschenke – an Familie, an Freundinnen und Freunde. Aber was tun, wenn das eigene Einkommen gerade mal so den Lebensunterhalt deckt und für Geschenke kaum etwas übrig bleibt?

„Viele Menschen haben das Schenken deshalb aufgegeben“, sagt Michael Eismann von der Erwerbslosen-Initiative „Hilfe im Nordend“ der Luthergemeinde. Der Verzicht auf Weihnachtsgeschenke ist natürlich nicht nur ein Phänomen unter Menschen mit Armutserfahrungen. Es kann auch allgemeine Konsumkritik sein. Doch wenn man nur wenig Geld hat, dann bleibt doch gar nichts anderes übrig – oder?

Einige aus der Gruppe haben andere Lösungen gefunden. Ein 40 Jahre alter ehemaliger Landschaftsgärtner hat zum Beispiel mit Familie und Freunden vereinbart, sich gegenseitig nichts mehr zu schenken, das teurer ist als 25 Euro. „Diese Summe kann er sich leisten, wenn er darauf spart. Aber das Schenken passiert dann auf Augenhöhe. Denn auch die, die mehr Geld haben, müssen etwas Schönes für 25 Euro finden“, so Eismann.

Andere überlegen sich Geschenke, in denen mehr Arbeit als Geld steckt: Selbst gebackene Plätzchen, eine Einladung zum selbst gekochten Essen. „Eine frühere Unternehmensberaterin sucht aus Büchern passende Gedichte heraus, schreibt sie auf schönes Papier und häkelt ein Band darum“, erzählt Eismann: Das ist persönlich und kostet kaum Geld.

Natürlich hilft das alles aus dem grundlegenden Dilemma nicht heraus, dass die heutigen Hartz IV-Sätze keinen Spielraum lassen für großzügiges Schenken. Aber die Beispiele zeigen, dass man der Situation nicht völlig hilflos ausgeliefert ist.

Besonders schwierig ist es für Eltern, die ihren Kindern nicht weniger schenken möchten als unter deren Altersgenossen üblich. „Das ist häufig ein sehr schambesetztes Thema“, sagt der Erziehungsberater Wolfgang Schrötder vom Evangelischen Zentrum für Beratung in Höchst. „Viele Eltern kratzen das letzte Geld zusammen, um doch noch ein Handy zu kaufen. Sie versuchen verzweifelt, vor den eigenen Kindern eine Normalitätsfassade aufrecht zu erhalten.“

Dabei sei es meistens besser, das Thema offen anzusprechen, sowohl mit Bekannten als auch mit den eigenen Kindern, sagt Schrödter. „Kinder sind häufig sehr rührend solidarisch mit ihren Eltern und können auch auf vieles verzichten“, ist seine Erfahrung. „Manchmal glauben sie, dass die Kinder entsetzlich enttäuscht sind und weinen, wenn sie das Gewünschte nicht bekommen. Aber häufig ist das gar nicht so.“ Voraussetzung sei natürlich, dass man mit den Kindern auch über die Situation spricht.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Dezember 2010 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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