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Von – 1. Februar 2011

Das Aus für die Zivis

In vielen Gemeinden wird man sie vermissen

Im Kindergarten der Gemeinde Cantate Domino hat man schon Abschied genommen von den „Zivis“. Seit 1984 hatte man Zivildienststellen in den drei Kindergruppen und in der Küche vorgehalten. Jetzt arbeitet der letzte Zivildienstleistende in dieser integrativen Einrichtung in der Nordweststadt – noch bis Mai. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht wird auch der Zivildienst zum 1. Juli abgeschafft. Allerdings, sagt Kita-Leiterin Helga Krämer, habe schon die Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate die Einsatzmöglichkeiten stark beschränkt: „Und von den sechs Monaten gehen noch Lehrgänge und Urlaub ab.“

Eine wirkliche Beziehung zu den Kindern lässt sich in dieser Zeit nur schwer herstellen. Deshalb versucht man in der Nordweststadt schon seit einigen Jahren, zwei der vier Stellen mit jungen Menschen im „Freiwilligen sozialen Jahr“ (FSJ) zu besetzen. Doch „FSJler“ sind rar. Zudem will man gerne welche, die mindestens 18 Jahre alt sind und möglichst Männer, die das Team der Kita ergänzen. „Männliche Bezugspersonen zu haben, ist wichtig“, sagt Helga Krämer. „Die Identifikationsmöglichkeit wird fehlen.“

Lieve Van den Ameele, Pfarrerin in Fechenheim, schätzt an den Zivildienstleistenden in der Gemeinde ihre unterschiedlichen Fähigkeiten. Der jetzige ist gelernter Kfz-Mechaniker. Mit seinem technischen Verstand hilft er der Gemeinde über manche organisatorische Klippe hinweg. Wie es in der gemeindlichen Arbeit weitergehen soll, weiß Van den Ameele auch nicht. Der Zivi hilft Älteren beim Einkaufen, übernimmt Hausmeisterdienste oder ist in der Kindertagesstätte eingesetzt. „Wie wir das anderweitig machen sollen, ist offen. Ein-Euro-Kräfte gibt es ja auch immer weniger“, stellt Van den Ameele fest. Eine konkrete Auswirkung hat die Angelegenheit schon jetzt. Die Einladung zum Kindergottesdienst wird es nur noch per E-Mail geben. Denn der Zivi kann das Austragen in die Briefkästen nicht mehr übernehmen.

Ob und wie der von der Politik diskutierte Freiwilligendienst ein Ersatz in den zahlreichen sozialen Arbeitsfeldern sein kann, wird sich also erst noch herausstellen müssen. Es ist aber wahrscheinlich, dass für die zahlreichen Einsatzstellen in der Altenpflege, im Krankenhaus, im Rettungsdienst oder eben auch in Kirchengemeinden, an denen bisher Zivildienstleistende eingesetzt waren, sich nicht genügend Freiwillige finden werden.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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