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Von – 1. Februar 2011

Glaubensstreit in Ginnheim

Es dauerte lange, bis Lutherische und Reformierte sich einigten

Mit der Reformation im Jahr 1517 wurde für die Evangelischen nicht sofort alles einfacher. Denn schon in dieser Anfangsphase hatte die evangelische Kirche begonnen, sich weiter in eine lutherische und eine reformierte Konfession zu zerteilen, und das brachte für die Gemeinden häufig Schwierigkeiten mit sich.

So war es auch in Ginnheim, wie Elke Mathesius von der Bethlehemgemeinde herausgefunden hat. Sie hat die Entwicklung der Gemeinde im Archiv des Evangelischen Regionalverbandes zurückverfolgt und zu einer umfassenden Chronik zusammengestellt. Im Januar stellte sie ihre Funde der Öffentlichkeit vor.

Frankfurt war bereits 1533 evangelisch geworden, und in Ginnheim, das zu der Zeit zur Herrschaft Hanau-Rieneck-Münzenberg gehörte, wurden 1538 alle 59 Familien lutherisch. Als der Hanauer Graf im Jahr 1597 die reformierte Konfession annahm, weigerten sich 48 Ginnheimer Familien, ihr Glaubensbekenntnis nun ebenfalls zu wechseln. Ihr Widerstand zog Konsequenzen nach sich. Obwohl in der Unterzahl, hatten die Reformierten sämtliche Nutzungsrechte inne: Die Kirche, die Maria-Magdalenen-Kapelle, die in der Woogstraße 16 stand, gehörte allein den Reformierten. Besonders brisant war, dass auch Beerdigungen nur vom reformierten Pfarrer auf dem reformierten Friedhof durchgeführt werden konnten. Die Lutherischen wurden von dem Pfarrer aus Bonames betreut, zum Gottesdienst gingen sie nach Eschersheim.

Erst 1678, nachdem Ginnheim 1642 an Hanau-Lichtenberg gefallen war, kam mit Johann Friedrich Phengius der erste lutherische Pfarrer nach Ginnheim. Allerdings war Phengius damals auch für Bockenheim, Eschersheim, Niedereschbach und Steinbach zuständig – eine beschwerliche Aufgabe.

Nach hundert Jahren ohne eigene Räumlichkeiten gab Landgraf Philipp Reinhardt zu Hanau-Lichtenberg schließlich im Jahr 1697 die Erlaubnis, in Ginnheim eine eigene lutherische Kirche mit Friedhof zu bauen. Beides wurde 1700 eingeweiht, und die Wogen glätteten sich ein wenig. Später trat Ginnheim dann der so genannten „Hanauer Union“ bei, und Lutherische und Reformierte wurden zu einer gemeinsamen Gemeinde zusammengefasst – seither ist die evangelische Gemeinde in Ginnheim „uniert“. Beide Konfessionen nutzten nun gemeinsam die „neue“ Kirche, die konfessionellen Friedhöfe wurden aufgelöst und stattdessen ein gemeinsamer Friedhof in der Ginnheimer Hohl angelegt.

Um 1832 wurde die ohnehin baufällig gewordene Maria-Magdalenen-Kapelle abgerissen und eine neue Kirche gebaut. Nachdem Ginnheim 1910 nach Frankfurt eingemeindet worden war, erhielt die Kirche 1912 den Namen „Bethlehemkirche“, einige Jahre später, 1929, übernahm die Gemeinde den Namen. Seit 1956 hat die Bethlehemgemeinde ein neues Gemeindehaus und seit 1971 auch eine neue Kirche in der Fuchshohl.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Sara Wagner ist Mitglied der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt" und Studentin der Kulturwissenschaften.

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