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Von – 27. April 2011

Gute Pflege braucht Beziehungen

Pflege und Fürsorge besteht unweigerlich aus zwei Komponenten. Nämlich der tatsächlichen Arbeit – waschen, putzen, Spritzen geben – und der Beziehung zwischen der bedürftigen Person und derjenigen, die sie pflegt. Traditionellerweise geht beides Hand in Hand: der Anruf bei der Großmutter, bei dem über Sorgen und Probleme genauso gesprochen wird wie darüber, was man noch einkaufen muss, die Unterhaltung beim Essen, die menschliche ­Berührung bei der Körperpflege. Mit zunehmendem Einsatz von Roboter- und Computertechnik fällt beides auseinander. Wenn der Blutdruck automatisch in die Klinik übermittelt wird, braucht der Pflegedienst nicht zu kommen. Wenn sich ein alter Mensch mithilfe von Geräten selbst waschen kann, muss der Sohn nicht dabei helfen.

In der Logik des derzeitigen Pflege- und Gesundheitssystems werden beide Seiten getrennt. Geld gibt es nur, wenn „Arbeit“ nachgewiesen wird. Für den Teil der Beziehungen sind die Kassen nicht zuständig. Schon jetzt sind die Taktzeiten in der Pflege so knapp bemessen, dass für menschliche Zuwendung kaum Zeit bleibt. Es ist zu befürchten, dass mit noch mehr Technik dieser Trend weiter zunimmt und pflegebedürftige Menschen zwar immer besser versorgt sind, aber auch immer mehr vereinsamen. Dabei müsste das nicht so sein. Mehr Selbstständigkeit im Alltag wird sich wohl jeder wünschen. Und wenn Menschen, die andere pflegen, von schwerer Arbeit entlastet werden, so ist das doch nur zu begrüßen. Aber damit dieses positive Potenzial genutzt werden kann, müssen sich alle Beteiligten klar machen, dass die Technik eben nur die eine Seite der Medaille ist. Dass Geräte die Pflege und Fürsorge durch andere Menschen zwar erleichtern, aber eben nicht ersetzen.

Dann jedoch könnten neue Freiräume entstehen. Vielleicht kommt die Schwiegertochter lieber zu Besuch, wenn sie nicht auch noch die Fenster putzen muss. Und ein chronisch Kranker, der nicht mehr jeden Tag zum Arzt geht und seine Sorgen der eher desinteressierten Arzthelferin erzählt, würde vielleicht aktiv werden und echte Freundschaften knüpfen.

Vor allem aber brauchen wir eine neue Logik in den Sozialsystemen. Es kann nicht sein, dass Geld und Ressourcen allein in die zu erledigende „Arbeit“ fließen. Auch die Pflege von Beziehungen braucht Ressourcen, auch hierfür muss Geld eingeplant werden – auch wenn Geld alleine dafür natürlich nicht ausreicht.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. April 2011 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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