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Von – 27. April 2011

Im Angesicht von Katastrophen

Die Passionszeit ist in diesem Jahr angefüllt mit grauenvollen und beunruhigenden Nachrichten: Tsunami und Atomkatastrophe, Bürgerkriege, Flüchtlingselend. Was heißt es in so einer Situation, Ostern zu feiern?

Andrea Braunberger-Myers ist Pfarerin in der Paulsgemeinde in der Innenstadt. Foto: Ilona Surrey

Die „Passionszeit“ in den Wochen vor Ostern zeichnet die Leidenszeit Jesu nach als persönliche Fastenzeit, als Zeit zum Nachdenken über eigene Verfehlungen und als Zeit zum Abwerfen lästiger Angewohnheiten. In diesem Jahr ist sie geprägt von Nachrichten über den zehntausendfachen Tod durch Erdbeben und Tsunami und die Bedrohung durch radioaktive Strahlung in Japan, von Berichten über Kriege und Bürgerkriege mit vielen Toten und Verletzten im Nahen und Mittleren Osten und in Nordafrika in Folge der Freiheitsbewegungen dort, von Bildern vom Flüchtlingselend in Südeuropa.

Können wir da trotzdem Ostern feiern? Ein fröhliches, buntes Fest in sicheren Gefilden? Wo uns doch die Nächstenliebe und die Verantwortung für die Schöpfung aufgetragen sind? Sollten wir nicht vielmehr trauern um den Verlust von Leben und Lebensqualität durch die grandiose Überschätzung der menschlichen Fähigkeiten, mit atomarer Technik umzugehen, und den brutalen Machtanspruch autoritärer Herrscher über ihr Volk, den sie mit Gewalt durchsetzen wollen?

Osterzeit bedeutet ja nicht nur Frühling nach langen Wintermonaten, Osterhasen und Eier als Symbol für den Beginn neuen Lebens, oder freie Tage, die zu einem Kurzurlaub einladen. Als christliches Fest geht es hier um den Kreuzestod Jesu Christi an Karfreitag und seine Auferstehung am Ostermorgen. Christinnen und Christen glauben, dass beides geschehen sei für uns Menschen, zur Vergebung unserer Sünden, zur Befreiung von aller Schuld auf ein Leben vor Gott hin, in persönlicher Freiheit und in Verantwortung für die Welt. Sicher, das Osterlachen fällt schwer angesichts des Zustandes unserer Welt im April 2011. Doch auch in früheren Jahren und Jahrzehnten gab es schlimme Zustandsberichte über die Situation auf dieser Erde. Wir haben trotzdem Ostern gefeiert, seit nun mehr als zweitausend Jahren.

Mahnwachen für die Opfer und die Forderung nach einem Ausstieg aus der Atomenergie gab es nach der Katastrophe in Japan auch in Frankfurt immer montags an der Hauptwache. Foto: Mauricio Maranhão

Bei einer Ansprache in Reaktion auf die Katastrophen in Japan sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir sind alle in Gottes Hand.“ Ist es womöglich das, was wir feiern: Dass wir uns zwar einerseits geborgen wissen in der Fürsorge Gottes, aber damit gleichzeitig dem Fatalismus Recht geben, der hilflos die Schultern hochzieht und Gott das Handeln überlässt – weil wir doch Gott gegenüber zu klein und zu machtlos wären, die Dinge zu ändern?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Ostern feiern bedeutet, politische Verantwortung anzunehmen, gerade angesichts der Osterbotschaft. Denn diese Botschaft verändert alles. Weil sie Hoffnung gibt, eine Hoffnung, die es nicht zulässt, dass Menschen sich in ein grausames und ungerechtes Schicksal ergeben.

Ja, die Katastrophen in Japan, die Bomben, die in Libyen von allen Seiten geworfen werden, machen uns traurig und zornig. Das bleibt so. Aber wir haben in Jesus Christus Gottes Liebe erfahren, bis in die letzten Fragen von Tod und Leben hinein. Das Leben wird siegen, so bedroht es auch ist. Wir sind alle in Gottes Hand. Durch Jesus Christus an Ostern haben wir eine Hoffnung, die uns nichts und niemand nehmen kann. Hoffnung für uns selbst und unsere Lieben, für unsere Stadt und unser Land, für das bedrohte Leben weltweit.

Diese Hoffnung gibt langen Atem für mühsame Friedensverhandlungen, sie führt hinein in Auseinandersetzungen, die der Menschenwürde dienen, sie gibt Entschlusskraft, auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie umzusteigen. Wenn sich am Ostermontag wieder die Ostermarschierenden auf dem Römerberg versammeln, werden unter ihnen viele Christinnen und Christen sein. Ihr politisches Engagement gibt Zeugnis von ihrer Hoffnung für die Welt. Jesus Christus hat uns mit seinem Sieg über den Tod und alles Todbringende zu einer unbeirrbaren Hoffnung befreit. Das feiern wir an Ostern, ohne Zögern und voller Freude.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. April 2011 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Andrea Braunberger-Myers ist Pfarrerin in der Paulsgemeinde in der Innenstadt.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Friedrich Peter Niebling schrieb am 30. April 2011

    . Was heißt es in so einer Situation, Ostern zu feiern?
    Für wen? Hält sie Frau Pfarrerin- nun eine allgemeine Erklärung bereit? Eine Erklärung die auch für jene gilt, die ihre Zweifel an den Sinn und den Erfolg solcher Rituale schon lange nicht mehr wegschieben können oder wollen? Es ist immer das Gleiche! Da gibt es sogenannte Fachleute, die wollen oder müssen was von sich geben, oder sie sind um das Seelenheil anderer besorgt, und dann machen die sich einen Kopf über ein Thema und bieten eine Lösung an; oder wollen von etwas überzeugen, was längst als unglaubwürdig erscheint. Vielleicht am meisten sich selbst. Viele Leser werden vermutlich auf ihrer Ebene mitdenken und ihre Worte dankbar annehmen. Für mich versucht sie zurecht zu rücken, was so nicht zurecht zu rücken ist. Vor allem spricht sie nicht über sich, stellt nicht dar, wie es ihr mit diesen Wiedersprüchen ergeht. Auf dieser Ebene lässt sie ihre „Schäfchen“ letztlich alleine. Ich entferne mich von ihr und beginne mich von ihren Worten zu distanzieren, sie sind nicht greifbar für mich, nur als Gedankenkonstrukt. Ratschläge habe ich schon genug bekommen. Und Appelle gehört! Sie ändern nicht meine Welt und nicht die Welt der anderen. Besonders dann nicht, wenn es nicht spürbar wird, in Gottes Hand zu sein. Sie helfen festschreiben, was ist. So wird auch in vielen Jahren eine Fachfrau sagen: „Doch auch in früheren Jahren und Jahrzehnten gab es schlimme Zustandsberichte über die Situation auf dieser Erde. Wir haben trotzdem Ostern gefeiert, seit nun mehr als zweitausend Jahren. . Durch Jesus Christus an Ostern haben wir eine Hoffnung, die uns nichts und niemand nehmen kann. Hoffnung für uns selbst und unsere Lieben, für unsere Stadt und unser Land, für das bedrohte Leben weltweit“. Was heißt wir? Von welche Hoffnung ist hier die Rede? Hoffnung auf was? Hoffnung erfüllt sich oder erfüllt sich nicht. Der Zustand, in dem die gesamte Menschheit sich befindet, zeugt eher von unerfüllter Hoffnung. Die Angst scheint größer zu sein als die Hoffnung. Was also kann, muss, will geschehen, dass „wir“ uns anders auf dieser Erde einrichten? Nach was richten wir uns aus beim Einrichten? Wie kann es gelingen uns beim Aus- und einrichten nicht hinzurichten?

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