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Von – 27. April 2011

Niemand will Hunger tanken

Der neue Treibstoff E 10 soll die Umwelt schonen und die Abhängigkeit vom Öl reduzieren. Doch die Angst vor möglichen Schäden am Auto lässt viele weiterhin zum teureren Super greifen. Dabei gibt es auch moralische Bedenken.

Getreide auf den Teller oder in den Tank? Nicht nur wegen möglicher Motorschäden ist der Biosprit E 10 problematisch. Noch fragwürdiger ist das Vorhaben in sozialer Hinsicht. Foto: Gerhard Seybert / Fotolia.com

Ganz abgesehen von möglichen Motorschäden muss die Frage gestellt werden, ob es ethisch verantwortbar ist, dass nun das Benzin sozusagen auf den Äckern wächst. Derzeit werden in Deutschland etwa eine Million Kubikmeter Ethanol aus Weizen, Mais und Zuckerrüben hergestellt. Die Tendenz ist stark steigend. So ist nach Angaben von Greenpeace geplant, die Kapazitäten um weitere 800 000 Kubikmeter zu erhöhen. Für die Erzeugung dieser Menge an Ethanol würden dann 4,5 Millionen Tonnen Getreide benötigt. Damit könnte man acht Prozent des Benzinkraftstoffs durch Ethanol ersetzen – oder viele Millionen Menschen ernähren.

Überall, wo sich ein rentabler Absatzmarkt erschließt, wird möglichst viel produziert. Man braucht kein Agrarökonom zu sein, um zu prophezeien, dass die notwendigen Pflanzen künftig mit hohem Dünge- und Pestizideinsatz in Monokulturen angebaut werden. Auch wird eine Verknappung der Lebensmittel befürchtet, die dann zur Verteuerung der Grundnahrungsmittel führen wird. Das trifft vor allem die Ärmsten der Armen. Nicht nur in Deutschland. Denn die Möglichkeit des Gewinns durch den Anbau von Mais und Getreide wird den Prozess der Abholzung der Regenwälder beschleunigen. Kommt es dazu, ist der Biokraftstoff E 10 auch ökologisch schlecht, da die Abholzung der letzten Urwälder den Klimakreislauf negativ beeinflusst.

In der Bibel steht, die Menschen sollen sich „die Erde untertan machen“. Das meint nach heutiger theologischer Interpretation, sie nicht auszubeuten, sondern so zu nutzen, dass die gute Schöpfung Gottes bewahrt wird. Die Einführung des neuen Kraftstoffs gibt vor, dieses Ziel zu verfolgen, trägt aber in Wahrheit dazu bei, die Erde für die nachfolgenden Generationen unbewohnbar zu machen.Seit einigen Monaten werden in Kirchengemeinden Postkarten an die Bundesregierung unterschrieben. „Niemand will Hunger tanken“, lautet die Forderung der von „Brot für die Welt“ angestoßenen Aktion. „Statt weiter über Maßnahmen zur Erfüllung politisch festgesetzter Beimischungsquoten zu diskutieren, sollte darüber nachgedacht werden, wie der immense und wachsende Energiehunger im Norden reduziert werden kann“, lautet die Forderung der evangelischen Hilfsorganisation.

Umsteuern sei dringend notwendig, sonst werde die Menge an fossilen Treibstoffen nicht absolut gesenkt. Bei diesem „Business as usual“-Ansatz dienten Agrotreibstoffe nur dazu, wachsenden Verbrauch abzufedern. Damit sei weder dem Klima gedient, noch würde man drängenden Problemen unserer Zeit gerecht, wie der Welternährung, der Beseitigung der Energiearmut in Entwicklungsländern, dem Klimaschutz und dem Erhalt der Artenvielfalt.

Um den wertvollen Rohstoff Erdöl zu schonen, verbrennt man Nahrungsmittel. Dabei könnte man quasi ad hoc den Spritverbrauch in Deutschland reduzieren. Das von Industrie und Autofahrern gleichermaßen bekämpfte Tempolimit auf Autobahnen wäre eine Möglichkeit. Oder eine Gesetzesvorgabe zur Begrenzung des Verbrauchs. Neue Techniken und Materialien werden für die Produktion von Fahrzeugen gebraucht. Ein „Weiter so“, nur mit etwas Ethanol im Tank, ist nicht zukunftsfähig und ethisch – zurückhaltend formuliert – eine Herausforderung.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. April 2011 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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