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Von – 26. August 2011

Geldsegen ganz ohne Leistung

Manche Menschen bekommen Geld einfach so geschenkt. Manchmal sogar sehr viel Geld. Und oft sind es gerade diejenigen, die materiell ohnehin gut gepolstert sind. Die Rede ist vom Erben.

Finanzielle Hilfen seitens der Eltern oder Großeltern ist in sozial unsicheren Zeiten für viele junge Menschen wichtig. Dumm nur, dass nicht alle auf eine solche Unterstützung bauen können. Foto: Rolf Oeser

Noch nie wurde so viel Vermögen von einer Generation auf die nächste vermacht, wie heute. Schätzungsweise 200 Milliarden Euro wechseln in Deutschland auf diesem Weg jedes Jahr den Besitzer oder die Besitzerin. Nur rund 5 Milliarden davon kommen via Erbschafts- oder Schenkungssteuer wieder der Allgemeinheit zugute. Den Großteil dieses Ver­mögens steckt die nachfolgende Generation ein: Von 100 Personen, die etwas vererben, sind 83 alleinstehende Frauen, 10 alleinstehende Männer und 7 Ehepaare.

Auf diese Weise wird Vermögen über Generationen hinweg angesammelt und wächst. Man könnte fragen, wie das mit sozialer Gerechtigkeit und gleichen Lebenschancen für alle zusammen passt. Kinder aus wohlhabenden Familien haben ja sowieso schon wesentlich bessere Chancen auf eine gute Ausbildung als Kinder aus armen Familien. Womit ist es zu rechtfertigen, dass ihnen zusätzlich auch noch hohe Vermögen einfach so ganz ohne eigene Leistung zufallen?

Die offensichtliche soziale Ungerechtigkeit von Erbschaften ist auch in den vermögenden Kreisen selbst längst ein Thema. Immer mehr Reiche bringen einen Teil ihres Geldes noch zu Lebzeiten in Stiftungen oder wohltätige Vereine ein. Bill und Melinda Gates etwa haben mit einem Großteil der geschätzt 46 Milliarden Dollar, die die Erfindung der Microsoft-Software ihnen eingebracht hat, eine Stiftung gegründet, die Projekte in armen Ländern unterstützt. Ihre drei Kinder sollen insgesamt „nur“ zehn Millionen Dollar erben.

Andere ziehen nach: Auf der US-amerikanischen Internetseite www.givingpledge.org versprechen Reiche öffentlich, den Großteil ihres Vermögens später einmal in gemeinnützige Projekte zu stiften.

Aber auch weniger Vermögende überlegen zunehmend, ob sie mit ihrem Geld nicht etwas Sinnvolles anfangen können. Soziale Einrichtungen – auch die Kirchen – haben diese Quelle längst entdeckt. Erbschafts-Fundraising wird immer wichtiger, zumal in Zeiten, wo öffentliche Zuschüsse für soziale Arbeit immer weiter gekürzt werden. Nach den Worten von Wilfried Knapp, dem Finanzchef des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, ist Fundraising heutzutage als zusätzliche Einnahmequelle „nicht mehr wegzu­denken“.

Auch hier könnte man natürlich fragen, ob das wirklich richtig so ist: Denn schließlich entscheiden auf diese Weise Einzelne, nur weil sie reich sind, darüber, welche sozialen Hilfen es gibt, welche Initiativen und Projekte unterstützt werden – und welche nicht. Wer hingegen nichts zu vererben hat, hat diesbezüglich auch nichts mitzubestimmen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 26. August 2011 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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