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Von – 26. August 2011

Immer Ärger mit der Steuer

Führung im Bibelhaus über Geld und Macht zur Zeit Jesu

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist: Im Frankfurter Bibelmuseum sind auch echte Schekel, Münzen aus der Zeit Jesu, zu besichtigen. Sie liegen aber gut gesichert in einer Vitrine, fotografiert werden durfte nur ein Replikat. Foto: Ilona Surrey

Da liegen sie in einer Glasvitrine: dreißig Schekel oder „Silberlinge“ – die Summe, für die Judas Jesus an die Römer verriet. Obwohl es 2000 Jahre alte Originale sind, wirken die Münzen wie das lächerliche Häufchen, das sie angesichts der ungeheuren Tat ja auch sind. Anhand ausgewählter Ausstellungsstücke beleuchtete der Religionspädagoge Veit Dinkelaker bei einer „Expertenführung“ im Bibelhaus in Sachsenhausen die Geld- und Machtverhältnisse zur Zeit Jesu. Auf diese Weise sollen Bibelstellen besser verständlich werden, so das Konzept der neuen Reihe.

In einem eigens für das Museum nachgebauten typischen Fischerboot vom See Genezareth hörten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Legende vom Petersfisch, wie sie im Kapitel 17 des Matthäusevangeliums erzählt wird: Einmal im Jahr musste jeder wehrfähige Mann einen Halbschekel Tempelsteuer entrichten. Petrus wurde in Kapernaum mit der Frage konfrontiert, ob Jesus diese Steuer auch zahlt. Jesus fragt dann Petrus: „Von wem nehmen die Könige auf Erden Steuern: Von ihren Kindern oder von den Fremden?“ Petrus antwortet: „Von den Fremden.“ Daraufhin Jesus: „So sind die Kinder frei.“ Damit Petrus aber mit den Tempel-Oberen keinen Ärger bekommt, rät Jesus ihm augenzwinkernd, dem ersten Fisch, den er im See angelt, einen Schekel aus dem Maul zu nehmen und damit für sie beide die Tempelsteuer zu zahlen. Es soll ein Petersfisch gewesen sein. Ein ausgestopftes Exemplar ist im Bibelhaus zu sehen.

Man musste zur Zeit Jesu aber nicht nur Tempelsteuer, sondern auch Steuern an den römischen Kaiser entrichten, erklärte Dinkelaker. Darauf bezieht sich die berühmte Frage der Pharisäer an Jesus, ob es für Juden richtig sei, dem römischen Kaiser Steuern zu zahlen. Woraufhin Jesus antwortet: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ – auf den Münzen war ein Portrait des römischen Kaisers eingraviert. So machte er die verschiedenen Wertigkeiten deutlich.

Die gewaltigen Ausmaße der damaligen jüdischen Tempelanlage – von Herodes erbaut, im Jahr 70 von den Römern zerstört – sind im Bibelhaus in einer Animation zu sehen. Der Tempel war gleichzeitig auch die „Bank“ von Jerusalem, wie Dinkelaker erklärte. Das Steuergeld wurde wahrscheinlich in einer Schatzkammer hinter dem Tempel aufbewahrt, auf der Tempelanlage wurden an Wechseltischen unterschiedliche Währungen getauscht und Schuldscheine ausgestellt.

Die Evangelien erzählen davon, dass Jesus seine Gelassenheit verlor, als er am Palmsonntag die Geldwechsler und Taubenzüchter im Tempel von Jerusalem vorfand. Er stieß ihre Tische um und verjagte sie mit den Worten: „Mein Haus soll ein Bethaus sein, aber ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“ Im Markusevangelium steht auch, dass die Priester daraufhin überlegten, wie sie diesen Jesus, der die heilige Tempel-Ordnung so massiv störte, umbringen konnten. Der Verrat gelang ja dann auch, er kostete dreißig Silberlinge. Ähnliche Expertenführungen im Bibelhaus, Metzlerstraße 19, gibt es immer am letzten Mittwoch eines Monats um 19 Uhr. Am 28. September ist das Thema „Krieg und Gewalt“. Anmeldung unter Telefon 069?66426525.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 26. August 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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