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Von – 26. August 2011

Zu „freizügig“ für die Bahn

Plakat der Diakonie darf nicht im Hauptbahnhof hängen

Hübsch gesittet muss es auf Plakaten zugehen, damit sie im Frankfurter Hauptbahnhof hängen dürfen. Die strengen Vorgaben des Bahnhofs-Managements bekam jetzt auch die evangelische Kirche zu spüren.

Mit einer Plakat-Kampagne bewirbt sie das Angebot von „Tamara“, einer Beratungsstelle des Diakonischen Werkes für Frauen, die in der Prostitution arbeiten. Claims wie „Irena geht auf den Strich – und manchmal auf dem Zahnfleisch“ sollen betroffene Frauen direkt ansprechen und auf Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten hinweisen. Naheliegender Weise hätte das Plakat auch in der B-Ebene des Hauptbahnhofes hängen sollen, schließlich befinden sich in Bahnhofsnähe viele Bordelle.

Doch das Motiv entspricht nicht den Richtlinien der Bahn. Die würden, so Jörn Dietze, Pressereferent des Diakonischen Werkes für Frankfurt, „freizügige“ Plakatmotive generell nicht gestatten. Allerdings zeigt das abgelehnte Diakonie-Motiv keineswegs besonders viel nackte Haut, und es ist auch nicht sexuell anzüglich oder schlüpfrig. Bildsprache und Gestaltung geben lediglich einen eindeutigen Hinweis auf das Thema Prostitution – und ganz offensichtlich ist es das, was dem Bahnhofsmanagement missfällt.

Insofern ist das Beispiel durchaus symptomatisch für einen zwiespältigen Umgang der Gesellschaft mit diesem Thema, wie ihn Monika Hoffmann von „Tamara“ seit einiger Zeit wieder verstärkt beobachtet.

Denn zwar hat 2002 das so genannte „Prostitutionsgesetz“ die soziale und rechtliche Situation von Prostituierten verbessert. Freiwillig ausgeübte Prostitution verstößt seither nicht mehr gegen die guten Sitten, sondern gilt als Dienstleistung. Deshalb können die Frauen zum Beispiel ihre Bezahlung einklagen, Arbeitsverträge abschließen und sich sozialversichern.

Allerdings sei die Umsetzung in der Realität oft halbherzig, kritisiert Hoffmann. Noch immer würden Prostituierte stigmatisiert und sozial ausgegrenzt. Und in letzter Zeit gehe der Trend wieder deutlich in Richtung Reglementierung. Laut neuer Gesetzesvorhaben von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder soll es eine Meldepflicht für Prostituierte, Konzessionspflicht für Bordelle und Kondompflicht für Freier geben. „Bei all dem geht es nicht um Aufklärung und Selbstverantwortung der Frauen, sondern um Kontrolle“, kritisiert Hoffmann.

Dabei sei gegen klare gesetzliche Bestimmungen etwa für die Arbeitsbedingungen in Bordellen und Clubs nichts einzuwenden. Zu kritisieren sei aber die „latente Kriminalisierung der betroffenen Frauen“, moniert die Sozialarbeiterin. „Warum sind es immer Polizei und Ordnungsbehörden, die hier zuständig sind, und nicht, wie in anderen Gewerben, die berufsständischen Organisationen mit ihren Regelwerken?“ Ein sehr großes Problem sei schließlich auch die Unübersichtlichkeit der Regelungen, die teilweise von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind.

Monika Hoffmann bedauert es, dass die gesellschaftlichen Initiativen, die sich noch vor zehn, fünfzehn Jahren mit der Lebenssituation von Frauen, die in der Prostitution arbeiten, beschäftigt haben, seit dem Gesetz vielerorts praktisch zum Erliegen gekommen sind. Auch in Frankfurt sei der „Runde Tisch Prostitution“ eingeschlafen. „Kein städtisches Ressort fühlt sich für das Thema zuständig.“

Frauen, die in der Prostitution arbeiten, finden Beratung und Hilfe – persönlich oder per E-Mail – bei „Tamara“, Alfred-Brehm-Platz 17, Telefon 069 94350240, tamara@zefra.de.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 26. August 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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