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Von – 1. Oktober 2011

„Auch Katholiken sind längst reformiert“

Chrismon-Chefredakteur Arnd Brummer diskutierte in der Stadtakademie

Arnd Brummer bei der Vorstellung seines neuen Buches in der Evangelischen Stadtakademie. Foto: Rolf Oeser

Natürlich sei es Absicht, dass sein Buch „Unter Ketzern. Warum ich evangelisch bin“ gerade vor dem Papstbesuch erschienen sei, sagt Arnd Brummer. Nicht, weil er die Katholiken vor den Kopf stoßen will, sondern weil die öffentliche Aufmerksamkeit dadurch besonders auf das Thema „Religion und Konfession“ gerichtet ist und die Debatte dementsprechend breiter wird. Wie schon Luther gesagt habe: „Die Fäuste haltet stille, die Geister lasset aufeinanderprallen“.

Brummer, Chefredakteur des evangelischen Magazins Chrismon, ist als junger Mann vom katholischen zum evangelischen Glauben übergetreten. Vor zahlreichem Publikum stellte er in der Evangelischen Stadtakademie am Römerberg seine Thesen vor.

Katholische und evangelische Christen und Christinnen begreift Brummer als Mitglieder einer „ökumenischen Familie“, die miteinander um die besseren Argumente ringen. Der gemeinsame Glaube vereine sie, aber es gebe eben auch Unterschiede. So würden Evangelische den Papst niemals als Oberhaupt anerkennen, während der Papst niemals „lutherisch“ werden, also sich auf die Rolle eines „Dieners oder Freundes“ beschränken würde.

Auf dem Titelbild von Brummers Buch sind für ihn wichtige Vorbilder zu sehen: Jan Hus, der 1415 als Ketzer verbrannt wurde, weil er ungehorsam gegen Kirche und Papst war, der brasilianische (katholische) Befreiungstheologe Bischof Dom Helder Camara, das Idol von Brummers Mutter. Dann natürlich der deutsche Reformator Martin Luther, sowie der evangelische Theologe und Philosoph Rudolf Bultmann und die Theologin Dorothee Sölle, die sich für eine politisch engagierte Kirche einsetzte.

Das reformatorische Gedankengut habe auch die katholische Kirche bereits erfasst, ist Brummer überzeugt – auch wenn sie das bisher nicht wahrhaben wolle. Er erzählte von einer katholischen jungen Frau, die sich fragt, ob sie abtreiben darf: Sie kennt die Position ihrer Kirche dazu, sagt aber, sie müsse sich letztlich vor ihrem Gewissen verantworten. Oder die katholischen Laienprediger im Taunus: Sie seien ein Beispiel für das „Priestertum aller Gläubigen“, von dem Luther gesprochen hat.

Brummer verwahrte sich gegen den Vorwurf, die evangelische Kirche sei eine „Mutti- oder Kuschelkirche“, die bloß dem Zeitgeist hinterherlaufe. Als Journalist habe er in evangelischen Gemeinden sehr viele Frauen und Männer getroffen, die „kantig und klar“ seien. Ihm gefällt vor allem die Offenheit und Pluralität sowie die synodale Struktur der evangelischen Kirche. Und das reformatorische Grundbekenntnis, wonach eine Kirche immer Menschenwerk ist. Nur so sei sie kritikfähig und veränderbar.

Martin Luthers berühmtes Motto „ecclesia semper reformanda“ – „die Kirche muss immer wieder reformiert werden“ – bedeutet für Brummer das Eingeständnis, dass auch das frömmste Anliegen immer nur vorläufig und von äußeren Bedingungen abhängig ist. Nur Gott allein sei „unbedingt“, wie es der evangelische Theologe Paul Tillich einmal formulierte. Dieses Wissen macht für Brummer eine „Kirche der Freiheit“ aus.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Oktober 2011 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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