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Von – 1. Oktober 2011

Wirtschaftskriminalität wird oft verheimlicht

Männlich (87 Prozent), langjähriger Mitarbeiter (60 Prozent) und in einer Führungsposition (82 Prozent) – so sieht nach einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG der typische Wirtschaftskriminelle aus. Durch seine langjährige Tätigkeit im Unternehmen hat er sich eine Vertrauensposition erworben. Er kennt die internen Prozesse in- und auswendig und kann dadurch Kontrollmechanismen leichter außer Kraft setzen. Die häufigsten Delikte sind die Veruntreuung von Vermögenswerten oder Betrug beim Einkauf, so die Studie.

So gesehen ist der Vermögensschaden, der dem Evangelischen Regionalverband in Frankfurt jetzt entstanden ist, fast schon beängstigend normal. Weniger normal ist, dass der Vorgang transparent kommuniziert wurde: Die dem Verband angehörenden Gemeinden, Dekanate und Einrichtungen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind umgehend über den Stand der Ermittlungen informiert worden, und bei der jüngsten Tagung der Regionalversammlung, des evangelischen Kirchenparlamentes, auch die Öffentlichkeit.

Das ist keineswegs die Regel. Zwar stellen die meisten betroffenen Unternehmen eine Strafanzeige und fordern Schadensersatz, an die Öffentlichkeit dringt Wirtschaftskriminalität aber fast nie – aus Angst vor Imageverlust. In mehr als der Hälfte der Fälle wird laut KPMG-Studie sogar noch nicht mal die eigene Mitarbeiterschaft in Kenntnis gesetzt. Dieses Unter-den-Teppich-Kehren ist laut Frank M. Hülsberg von KPMG „eine vertane Chance mit Blick auf Prävention“. Denn nur wenn offen über solche Delikte kommuniziert wird, lassen sich ethische Regeln und Richtlinien etablieren, die auch diese Art von Verbrechen ins Blickfeld rücken.

Noch immer denken wir beim Stichwort „Kriminalität“ schnell an junge Männer ohne Perspektiven, an Mord und Totschlag, an Einbrüche und Drogenhandel. Selten aber denken wir an den Schaden, den Herren gehobenen Alters in Anzug und Schlips der Gesellschaft zufügen. Auch bei Wirtschaftskriminalität geht es nicht nur um Zahlen auf Papier, es gibt ganz reale Opfer. In diesem Fall zum Beispiel wurden der Kirche über 500?000 Euro entwendet – Geld, das in soziale Projekte und Hilfsangebote hätte fließen können.

Und noch etwas gilt es, aus diesem Fall zu lernen: Niemand kann sagen „Bei uns kann sowas auf keinen Fall passieren.“ Auch die Kirche nicht.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Oktober 2011 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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