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Von – 12. Februar 2012

Der späte Aufstand der Millionäre

Kurt-Helmuth Eimuth ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Foto: Rolf Oeser

Der Protest gegen die neue Startbahn gewinnt an Fahrt. Jetzt, da die Flieger auch über die Nobelvillen auf dem Lerchesberg einschweben, gibt es ungewöhnliche Allianzen. Da protestieren die, die schon immer dagegen waren, plötzlich neben denen, die den Wert ihrer Immobilien im Sinkflug sehen. Um dreißig Prozent seien die Immobilienpreise im Süden Frankfurts gefallen, sagen Makler.

Der Protest der Millionäre zeigt Wirkung. Plötzlich erklärt der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch, er möchte ein dauerhaftes Nachtflugverbot, wenn das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mitzieht. Als sei es nicht eben diese Landesregierung gewesen, die die Nachtflüge zunächst genehmigt hatte. Erst der Hessische Verwaltungsgerichtshof stoppte den mitternächtlichen Lärm. Auch der Innenminister und Frankfurter OB-Kandidat Boris Rhein vertritt plötzlich eine neue Regierungslinie. Obgleich die Regierungspartei den Ausbau vorantrieb.

Zu Recht beklagt die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, dass das unter anderem vom damaligen Umweltpfarrer Kurt Oeser erarbeitete Mediationspaket vom Flughafenbetreiber und der Hessischen Landesregierung nicht eingehalten worden ist. Es sei „ein aus damaliger Sicht tragbarer Kompromiss“ gewesen. Das Kirchenparlament tritt für ein striktes Flugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr ein und fordert, den Lärmschutz der Bevölkerung besser gesetzlich zu verankern. Einrichtungen für Kinder oder alte Menschen und Krankenhäuser bräuchten spezielle Lärmschutzmaßnahmen. Zudem fordert die Synode die Einführung einer ökologischen Kerosinsteuer und eine Flugverkehrsabgabe auf europäischer Ebene.

Das sind Forderungen und Notwendigkeiten, denen man nur zustimmen kann. Doch das alles wusste man schon vor gut einem Jahrzehnt. Warum, so fragt man sich, kommt der Aufstand erst jetzt? Die Antwort ist leider einfach: Es liegt an der menschlichen Schwäche, sich erst dann zu regen, wenn die Auswirkungen zu spüren sind. Erst wenn die Bagger anrücken, ist das Erstaunen groß. So war es auch bei Stuttgart 21.

Wir alle sind aufgerufen, uns auch mit Planungen auseinanderzusetzen, deren Auswirkungen womöglich erst die Generationen nach uns ausbaden müssen. Da fallen einem Stichworte wie Finanzkrise, Staatsverschuldung oder Generationenvertrag ein. Oder ist uns das Hemd wirklich näher als der Rock?

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Februar 2012 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Kurt-Helmuth Eimuth ist Mitglied in der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt". Mehr über den Publizisten und Erziehungswissenschaftler ist auf www.eimuth.de zu erfahren.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Winfried Klein schrieb am 13. Februar 2012

    Zu: „Der späte Aufstand der Millionäre“

    Oh Gott, oh Gott, Herr Pfarrer!

    Der erste Satz Ihres Kommentars treibt meinen Adrenalinspiegel auf einen Höhepunkt: „Der Protest gegen die neue Startbahn gewinnt an Fahrt.“

    Der Bau der STARTbahn war vor 30 Jahren; heute haben wir es mit einer LANDEbahn zu tun!

    Immerhin: Der Rest Ihres Kommentars beruhigt mich wieder. Ihr süffisanter Ton kommt gut bei mir an.

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