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Von – 12. Februar 2012

Staat und Kirche: Kein Abgesang auf die Institutionen

Auf Einladung der EKHN-Stiftung diskutierten Wolfang Huber und Paul Kirchhof über Ethik, Wirtschaft und individuelle Verantwortung.

Moderiert von der ZDF-Redakteurin Gundula Gause disktutierten der Jurist Paul Kirchhof (Mitte) und der Theologe Wolfgang Huber in der Heiliggeistkirche über die Zukunft der Institutionen Staat und Kirche. Foto: Rolf Oeser

Für „dramatisch aktuell“ hält der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof die Institution Kirche, weil sie „seit Jahrhunderten über den Sinn des Lebens und den Ursprung der Existenz nachdenkt und also Antworten auf Fragen hat, die der Staat nicht beantworten kann“. Zusammen mit Wolfgang Huber diskutierte er auf Einladung der EKHN-Stiftung in der Heiliggeistkirche das Thema „Das Ende der Institutionen? Über die schleichende Zerstörung von Staat und Kirche“.

Beide machten deutlich, dass Institutionen wie Staat und Kirche zwar einen Rahmen vorgeben, es innerhalb dessen aber vor allem auf die Verantwortlichkeit der Einzelnen ankomme. Im Bezug auf die „Kultur des schnellen Geldes“ zum Beispiel hätten nicht nur Institutionen in verantwortungslose Papiere investiert, sondern auch viele Privatleute. Man müsse nun die Ethik nicht neu erfinden, sondern ihre Grundsätze auch anwenden. Aus ethischer Sicht sei es nicht zu rechtfertigen, jetzt Derivate zu kaufen, die auf den Niedergang eines Staates setzen, obwohl man damit viel Geld verdienen könne, erklärte Kirchhof. Ebenso indiskutabel sei das Spekulieren mit Nahrungsmitteln, sodass Arme hungern müssten, obwohl es genug zu essen gibt, ergänzte Huber. Insgesamt habe sich der Staat zu sehr von den Finanzmärkten abhängig gemacht. Deshalb müssten nicht nur die Finanzmärkte reguliert werden, sondern der Staat müsse seine Rolle ganz neu überdenken. Ein wichtiger Schritt sei das Schuldenverbot, das ab 2016 in die Verfassung aufgenommen werden soll, betonte Kirchhof. Deutschland habe zweimal bewiesen, dass es reformfähig sei: 1945, als sich der „Glücksfall der deutschen Verfassung“ ereignet habe, und nach der Wiedervereinigung 1989.

Huber zeigte sich zuversichtlich, was die Zukunft der Kirche betrifft. Auch wenn es durch den Nationalsozialismus und die 68er Revolution zu dramatischen Traditionsabbrüchen gekommen sei, gebe es viele „Orte gelingender Kirchlichkeit“, wo Menschen mit Lust und Freude in den Gottesdienst gehen. Die im christlichen Glauben verankerte Grundhaltung der Zukunft sei „nüchterner Realismus und unerschrockene Hoffnung“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Februar 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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