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Von – 12. Februar 2012

Getauft, verstoßen, vergessen

Ausstellung über ein beschämendes Kapitel Kirchengeschichte

Pfarrer Martin Schmidt war von 1931 bis zu seinem Ruhestand 1962 Pfarrer in der Dreikönigsgemeinde. Auf seine Initiative trat die Gemeinde geschlossen der Bekennenden Kirche bei.

In Frankfurt rückt derzeit eine Wanderausstellung ein beschämendes Kapitel der hessischen Kirchengeschichte in den Blick: den Ausschluss von Christen und Christinnen mit jüdischen Wurzeln während des Nationalsozialismus. Unter dem Titel „Getauft. Verstoßen. Vergessen? Evangelische jüdischer Herkunft 1933 bis 1945“ beleuchtet die Ausstellung zum einen das Verhältnis zwischen Protestantismus und NS-Ideologie allgemein. Zum anderen werden elf Frankfurter Gemeinden das Geschehen jener Jahre in ihrem eigenen Umfeld recherchieren. An jeder Station wird die Ausstellung mit den gemeindebezogenen Beiträgen ergänzt und so nach und nach auf rund 15 Tafeln anwachsen. In ihrer kompletten Form wird sie ab 14. Januar 2013 bis zur Finissage am 3. Februar dann im Karmeliterkloster zu sehen sein.

Martha Habermehl war eine der so genannten „Judenchristinnen“, die laut Arierparagraph vor siebzig Jahren aus der hessischen Landeskirche ausgeschlossen wurden. Die Schauspielerin ist in der Lukaskirche getauft worden. Drei Tage vor der Konfirmation ihres jüngsten Sohnes wurde sie von der Gestapo verhaftet und 1943 in Auschwitz ermordet.

Mit der Absicht, über die beschämenden Vorgänge aufzuklären sowie noch unbekannte Quellen oder gar Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu finden, brachten der Frankfurter „Stolpersteine“-Koordinator Hartmut Schmidt, der Leiter der Evangelischen Akademie Arnoldshain, Hermann Düringer, Pfarrer Volker Mahnkopp von der Maria Magdalena-Gemeinde in Sachsenhausen und Lutz Becht vom Institut für Stadtgeschichte diese inhaltlich, didaktisch und optisch hervorragend aufbereitete Ausstellung auf den Weg. Erwachsen ist sie aus dem Forschungsprojekt „Der Umgang der Evangelischen Kirchen in Hessen mit den Christen jüdischer Herkunft während der NS-Zeit und nach 1945“, das die beiden hessischen Landeskirchen 2008 in Auftrag gaben.

Als Ausgangspunkt wurde nicht zufällig die Frankfurter Dreikönigsgemeinde gewählt. Während sich im Hitler-Regime andere Gemeinden entweder völlig auf die Seite der Nazis stellten oder gespalten waren, gab es in Dreikönig keine Zweifel: Unter dem damaligen Pfarrer Martin Schmidt trat sie als einzige Frankfurter Gemeinde geschlossen der Bekennenden Kirche bei und muss den Verfolgten wie ein rettender Fels in der nationalsozialistischen Brandung erschienen sein. Ihre Annalen weisen entsprechend viele jüdisch-christliche Familien als Mitglieder auf, darunter etliche, die in anderen Stadtteilen oder sogar außerhalb von Frankfurt wohnten. Um deren Schicksal nachzuspüren und die Biografien zu rekonstruieren, entwickelte die Dreikönigsgemeinde ein generationenübergreifendes Erinnerungsprojekt. Das mündete unter anderem in das Verlegen von acht Stolpersteinen zur Erinnerung an ermordete jüdische Anwohnerinnen und Anwohner, denen zwölf weitere folgen werden.

Bis zum 19. Februar ist die Ausstellung noch in der Dreikönigskirche am Sachsenhäuser Ufer zu sehen. Vom 4. bis 25. März wird sie in der Evangelisch-reformierten Gemeinde im Westend, Freiherr-vom-Stein-Straße 8, gezeigt, vom 29. März bis 15. April dann in der Sachsenhäuser Lukaskirche, Gartenstraße 67.

Mit dem Thema der Wanderausstellung beschäftigen sich in diesem Jahr auch die Wintervorträge der Evangelisch-reformierten Gemeinde im Westend, Freiherr-vom-Stein-Straße 12, jeweils donnerstags am 8., 22. und 29 März um 20 Uhr.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Februar 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Volker Mahnkopp schrieb am 30. Januar 2012

    Martha Habermehl, geb. Levy, wurde 1938 in der Lukaskirche getauft, im Alter von 38 Jahren. Konfirmiert wurde sie also nicht.
    Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank für den Artikel
    Pfarrer Volker Mahnkopp

  • Antje Schrupp schrieb am 30. Januar 2012

    Vielen Dank, werde das umgehend korrigieren (und der Hinweis kam noch rechtzeitig, um es im Print richtig zu drucken, wo man es ja dann nicht mehr hätte korrigieren können:)

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