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Von – 13. Februar 2012

Valentinstag: Die Liebe braucht keinen Heiligen

Foto: Veyron/Fotolia.com

Der 14. Februar gilt als „Valentinstag” und wird gern als „Tag der Liebenden” begangen. In Deutschland wurde er erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch US-Soldaten eingebürgert. Die Werbebranche erkannte den Tag als Vermarktungsmöglichkeit für Blumen, Süßwaren, Postkarten und Geschenke und unterstützte seine Popularität. Der Anklang, den der Valentinstag findet, erklärt sich aber unabhängig davon schon alleine daraus, dass an ihm Liebe, Freundschaft und Anbändeln gefeiert werden – das menschliche Thema schlechthin.

Die Rückführung auf den heiligen Bischof Valentin von Rom (nach anderer Überlieferung Valentin von Terni), der am 14. Februar 269 den Märtyrertod starb, verleiht dem Tag ein christliches Ansehen – oder besser: ein christliches Feigenblatt. Nach der Legende traute Valentin entgegen kaiserlichem Verbot Liebespaare nach christlichem Zeremoniell und half bei Partnerschaftsproblemen; Menschen, die Hilfe und Trost bei ihm suchten, schenkte er eine Blume aus seinem Garten. Vom Mittelalter an wurde Valentin daran anknüpfend als Patron der Liebenden und Verlobten gesehen.

So weit, so anständig. Denn der Valentinstag thematisiert höchstens in zweiter Linie die auch kirchlich akzeptierte Liebe zwischen Verheirateten. In erster Linie jedoch sind Verliebte angesprochen, Leute, die sich eine (unmögliche) Verbindung ersehnen, sich die schönsten Hoffnungen machen oder in heimlicher, ja, illegitimer Verbindung leben.

Der englische Dichter Geoffrey Chaucer veröffentlichte 1392 das „Parlament der Vögel” und beschreibt, wie am Valentinstag jeder Vogel sein Gegenüber zur Paarung findet. In England und Frankreich war es zu der Zeit Brauch, durch ein Losverfahren einen „Valentin” mit einer „Valentine” zu verbinden, die dann ein Jahr zusammen waren und danach heirateten oder sich wieder trennten. Nach einer anderen Überlieferung wird ein Mädchen den heiraten, den es am Valentinstag als ersten Mann erblickt; entsprechend kommen die Verehrer möglichst früh am Tag mit einem Blumenstrauß zu ihrer Ersehnten.

Dahinter stehen eher heidnische Überlieferungen. Weil Mitte Februar die Paarungszeit der Vögel beginnt, wurde das Fest der römischen Göttin Juno begangen, der Schützerin von Ehe und Familie. Ihr wurden an diesem Tag Blumen geopfert und den Frauen Blumen geschenkt. Schon in vorchristlicher Zeit fand in diesem Zeitraum das religiöse Reinigungsfest der „Lupercalien” statt, bei dem die Geschlechtsreife von Mädchen beziehungsweise deren Eheschließung gefeiert wurde.

Der volkstümliche Valentin sollte nicht zum Schutzpatron anzüglichen Brauchtums werden und wurde 1927 von der englischen Kirche aus dem Heiligenkalender gestrichen. Seit 1969 fehlt er auch im Calendarium Romanum Generale. Der Liebe tat und tut das keinen Abbruch, und sie feiert sich auch ohne jeden Heiligen ganz ungeniert.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 13. Februar 2012 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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