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Von – 12. Februar 2012

Wolfgang Huber über Gott

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, war einer der ersten Gäste von Michel Friedman in dessen neuer Gesprächsreihe im Schauspielhaus. Stephanie von Selchow traf ihn im Anschluss zu einem Interview.

Wolfgang Huber sprach mit Michel Friedman im ausverkauften Kammerspiel über „Gott!“. Nächster Gast in dieser Reihe ist am 20. März Margarete Mitscherlich zum Thema „Alt!“. Foto: Karolin Back/Schauspiel Frankfurt

Herr Huber, brauchen wir heute noch Gott? Wozu?

Wir brauchen Gott heute so dringend wie eh und je. In einer pluralen Gesellschaft suchen Menschen erst recht nach Orientierung, nach Halt für ihr Leben, nach der Grundlage, auf der sie leben wollen. Und deswegen ist die Grundorientierung, die durch das Verhältnis zu Gott gegeben wird, nämlich die Grundorientierung an Glaube, Liebe und Hoffnung, für uns heute genauso wichtig wie zu anderen Zeiten. Erst recht gilt das, wenn man sich klar macht, dass die Verführbarkeit des Menschen, nämlich selbst sein zu wollen wie Gott, heute noch einmal ganz andere Ausmaße annimmt, als das in früheren Zeiten überhaupt möglich war. Gewalt über andere auszuüben, sich die Welt zu unterwerfen, rücksichtslos gegenüber den Lebensbedingungen künftiger Generationen zu sein: Das sind doch die großen Gefährdungen, unter denen wir heute leben. Und da ist es umso wichtiger, dass Gott nicht vergessen wird.

Wie begegnet Ihnen Gott?

Im Angesicht eines liebenden Menschen. Denn in Jesus Christus ist Gott Mensch geworden und begegnet uns mit einem menschlichen Gesicht. Deshalb können wir auch heute darauf vertrauen, dass wir Gott in den guten Erfahrungen unseres Lebens begegnen, und ebenso, dass er uns in schweren Zeiten nahe ist.

Ist Gott Liebe?

„Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ So sagt es der erste Johannesbrief im Neuen Testament klar und unzweideutig. Warum sollten wir uns nicht daran halten?

Und wo ist die Liebe Gottes, wenn das so genannte Böse geschieht, wenn Menschen andere Menschen verleumden, missachten oder sogar umbringen?

Wir Menschen sind von Gott mit Freiheit beschenkt. Zu dieser Freiheit gehören auch unsere Fehler, unser Versagen und unsere Schuld. In der Geschichte von Kain und Abel wird das grundlegend beschrieben. In meinem neuen Buch „Darauf vertraue ich. Grundworte des christlichen Glaubens“ habe ich dieser Erzählung deshalb sogar den Vorzug vor der berühmten Geschichte vom Sündenfall gegeben. Im Zentrum unseres Glaubens steht die Gewissheit, dass die Schuldverstrickung des Menschen nicht das letzte Wort hat; ein neuer Anfang ist möglich. Das letzte Wort hat Gottes Liebe.

Warum müssen wir glauben und hoffen und können nicht wissen?

Wir müssen nicht glauben, aber wir können es. Was wir wissen, ist das, was in Raum und Zeit passiert. Unser Wissen bleibt aber immer Stückwerk. Wir können und dürfen glauben, dass es eine Hoffnung für unser Leben über die Grenzen des endlichen Lebens hinaus gibt. Wir Menschen denken und suchen über unser begrenztes Leben hinaus; wir können darauf vertrauen, dass wir dabei nicht auf uns selbst stoßen, sondern Gott begegnen.

Was macht Sie da so sicher?

Die Gewissheit des Glaubens sieht anders aus als die Sicherheit des Wissens. Diese Gewissheit wurzelt in dem Vertrauen auf die Gegenwart Gottes und auf die Kraft seines Geistes. Aus diesem Vertrauen lebe ich; dieses Vertrauen möchte ich teilen.

Was kann ein erster Schritt zum Glauben sein?

Mit anderen Menschen zusammen zu erleben, dass Gottvertrauen eine Kraft ist, dass Zuversicht das Leben hell macht, dass man sich aufeinander verlassen kann. Oft vollzieht sich ein solcher Schritt in einer Gruppe Gleichaltriger, für mich sind Erfahrungen in der christlichen Pfadfinderschaft dafür wichtig geworden. Weitere Schritte sind meine Frau und ich in einer innigen Lebensgemeinschaft gegangen, die nun schon 45 Jahre andauert. Erfahrungen in einer ökumenischen Gemeinde haben uns neue Wege gelebter Frömmigkeit gezeigt. Die Freude am Gottesdienst und die gelebte Nächstenliebe im Einsatz für andere Menschen haben mir wie anderen den Glauben wichtig und wertvoll gemacht. Erste Schritte zum Glauben vollziehen sich in vielen Formen, aber sie haben immer mit Menschen zu tun. Denn Gott will uns Menschen durch andere Menschen begegnen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Februar 2012 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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