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Von – 2. April 2012

Drei stille Tage für alle

Hessens Grüne machen Vorschläge für ein neues Feiertagsgesetz

Ein Jahr ist es her, dass die Debatte um das „Frankfurter Tanzverbot“ am Karfreitag deutschlandweit diskutiert wurde. Der da­malige Ordnungsdezernent Volker Stein hatte einen Brief an zahlreiche Clubs verschicken lassen und sie auf das Hessische Sonn- und Feiertagsgesetz hingewiesen, das Tanzveranstaltungen von Gründonnerstag bis Karsamstag sowie an Ostersonntag und -montag verbietet. Tatsächlich haben Clubbesitzer von Kontrollen, Abmahnungen und Bußgeldern berichtet. Daraufhin war viel über den Sinn der Feiertagsgesetze diskutiert worden. Auch auf evangelischer Seite wurden Zweifel laut, ob insbesondere ein Tanzverbot am Ostersonntag – wo doch die Auferstehung Jesu ein Anlass zur Freude ist – dem Sinn der Sache wirklich gerecht wird.

Jetzt haben die hessischen Grünen einen Vorstoß unternommen, um das Feiertagsgesetz zu ändern. Sie schlagen vor, das Recht der Religionsgemeinschaften zu schützen, ihre Feiertage zu begehen, ohne an ihren Gebetsorten gestört zu werden. Die Feiertage wären also nur Angelegenheit der jeweiligen Gläubigen, und wer sie nicht begehen möchte, darf tanzen, solange die Gläubigen nicht gestört werden. Zusätzlich sieht der Vorschlag der Grünen drei besondere „stille Feiertage“ vor, an denen tatsächlich die gesamte Gesellschaft „gemeinsam innehält“ – etwa Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag. An diesen Tagen soll dann nicht nur Tanzen verboten sein, sondern „generell Halligalli“, wie es die grüne Landtagsabgeordnete Sarah Sorge formulierte.

Die Pröpstin für Rhein-Main, Gabriele Scherle, hält die Idee, gemeinsame „stille Feiertage“ einzuführen, für nachdenkenswert. „Ein Tag im Jahr, an dem wir uns alle fragen, welche Opfer wir zu beklagen haben, würde der Ge­sellschaft durchaus gut tun.“ Ansonsten wolle sich die Kirche nicht mit eigenen Vorschlägen einmischen. „Aber wir sind offen für eine gesellschaftliche Debatte“, sagte Scherle gegenüber „Evangelisches Frankfurt“.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat aus der Debatte im vergangenen Jahr die Konsequenz gezogen, die Bedeutung des Karfreitags besser kommunizieren zu wollen. Auf der Internetseite www.karfreitag.de weist Kirchenpräsident Volker Jung unter anderem darauf hin, dass die Alternative zum Karfreitag „nicht unbedingt Party-Freitag“ sei, sondern auch „normaler Arbeitstag“ heißen könnte. Denn wenn es keinen gesellschaftlichen Konsens mehr darüber gibt, was das Thema dieses Tages ist, dann gebe es eigentlich auch keinen Grund, warum der Karfreitag ein arbeitsfreier Tag sein soll. „Wer diesen Feiertag inhaltlich entkernen will, der wird ihn letztlich abschaffen“, so Jung.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 2. April 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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