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Von – 2. April 2012

Wenn Kinder sich von den Eltern trennen

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt". Foto: Ilona Surrey

Ein 28-jähriger Deutscher will eine türkische Frau heiraten, aber seine Eltern sind dagegen, absolut dagegen. Eine junge Frau zieht mit einem Partner zusammen, der arbeitslos wird oder extreme politische Ansichten vertritt.

Der Sohn eines Chefarztes bricht mit 22 Jahren sein Medizinstudium ab und möchte sein Geld lieber als DJ verdienen. Seine Mutter kann das nachvollziehen, der Vater findet es aber indiskutabel und weigert sich, mit seinem Sohn zu reden.

Es ist für Eltern nicht immer leicht, zu akzeptieren, dass ihre erwachsenen Kinder eigene Wege gehen. Besonders, wenn sie den eigenen Wertvorstellungen zuwiderlaufen. Meist haben Eltern dann vor allem Angst um ihre Kinder. Sie machen sich Sorgen, denken, dass sie sie „falsch“ erzogen oder ihnen zu wenig Zeit und Liebe gegeben haben und fühlen sich schuldig.

„Dennoch müssen Eltern akzeptieren, dass ihre Kinder erwachsene Menschen sind, und sie als solche respektieren“, sagt der Psychologe Wolfgang Schrödter vom Evangelischen Zentrum für Beratung in Höchst. „Daran führt kein Weg vorbei.“ Das gelte sogar dann, wenn sich die erwachsenen Kinder mit Drogen- oder Alkohol oder auf andere Weise in Situationen bringen, die sie an Körper und/oder Seele gefährden.

Denn wenn Eltern ihre erwachsenen Kinder ständig mit Vorhaltungen überhäufen, unversöhnlich mit ihnen streiten und auf ihrem eigenen Standpunkt beharren, laufen sie Gefahr, dass ihre Kinder den Kontakt irgendwann ganz abbrechen. Dass sie einen definitiven Schlussstrich ziehen, nicht mehr zu Besuch kommen und auch nicht mehr telefonieren.

„Wenn erwachsene Kinder den Kontakt abbrechen, fallen Eltern oft aus allen Wolken“, sagt Schrödter, „sie verstehen nicht, wie das passieren konnte.“ In seinen Beratungsstunden ermutigt Schrödter sowohl die jüngere als auch die ältere Generation, den Dialog trotz aller Differenzen wenn möglich aufrecht zu erhalten. Zum Beispiel könnten die Kinder noch einmal versuchen, ihren Eltern deutlich zu erklären, was der Grund dafür ist. Die Eltern sollten dann gut zuhören.

Aber er weiß auch: „Manchmal geht es wirklich nicht mehr. Dann hilft tatsächlich nur der Bruch.“ Sonst könnten die Betreffenden nicht erwachsen werden und selbst Eltern sein. „Dann leidet noch die dritte Generation unter den Verstrickungen mit der Großelterngeneration.“

Ein Trost immerhin bleibt: Nicht selten, weiß Schrödter aus der Beratungsarbeit, sei zwischen Eltern und Kindern auch nach Jahren der Trennung wieder eine Annäherung möglich.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 2. April 2012 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Frauke A. Hesse schrieb am 25. August 2012

    Ich selber musste in diesem Jahr die schmerzliche Erfahrung machen, dass meine beiden Töchter sich von mir komplett zurückgezogen haben. Der Grund dafür sind Intrigen und Lügengeschichten meines Schwiegersohnes und meiner Mutter. Auch mein einziges Enkelkind sehe ich nicht mehr aufwachsen. Unsere Familienstruktur ist so verworrren und komplex, dass ich es in einer Kurzzusammenfassung gar nicht darstellen kann. Seitdem mein Vater vor ca. 6 Jahren verstarb, bröckelt unsere gesamte Familienstruktur – auch bei meiner jüngeren Schwester. Auch zu ihr habe ich seit ein paar Wochen keinen Kontakt mehr. Dabei bin ich harmoniebedürftig, mag keinen Streit, aber ich liebe die Wahrheit (meine Wahrnehmung). Ich habe das Lügen- und Intrigenebäude meiner Familie satt.

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