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Von – 3. April 2012

Ein Besuch bei Friedrich Karl Barth

Sonderbar heiter kann der Mensch werden, lässt sich ahnen, wenn man Ostergesänge hört. Nur wie ist das möglich? Ich frage jemanden, der es wissen muss. Er ist eine Art moderner Paul Gerhardt: Von ihm stammen tänzerische und fröhliche Verse, die zu Liedern geworden sind.

Auf Youtube findet man sie. Auf Kirchentagen, Jugend-Freizeiten, im Badezimmer und in Gottesdiensten werden sie gesungen. In Liederbücher sind sie eingegangen, auch ins hochoffizielle Evangelische Gesangbuch, darunter das wohl meist gesungene Tauflied deutscher Sprache: „Kind, du bist uns anvertraut.“ Friedrich Karl Barth lebt in Bad Wildungen bei Kassel. Von 1972-1991 hat er die Beratungsstelle für Gottesdienst in Frankfurt geleitet.

Wir spazieren durch den Garten, den er auf seine Weise pflegt: Was wachsen will, darf wachsen. „Am liebsten sitze ich im Garten und träume.“ Es ist März, an den Zweigen zeigen sich die Knospen, die zu schnuppern scheinen, ob es die Frühlingsluft wirklich ernst mit ihnen meint. Herr Barth, wie kommt man zu der Leichtigkeit, die aus Ihren Liedern spricht?

Am liebsten sitzt er im Garten und träumt: Friedrich Karl Barth. Foto: Georg Magirius

„Früh habe ich Kummer, Elend und Tod in der Familie erlebt“, erzählt der traumkundige Gärtner. „Früh habe ich auch erlebt, wie mein bester Freund ins Gras gebissen hat, kurz nachdem er das Studium hervorragend abgeschlossen hatte. Außerdem: Ich bin ein einfach gewachsener Pfarrer, habe viele Tränen gesehen, versucht sie aufzufangen, mitzuweinen und den Menschen eine Sprache zu geben, die die Güte hat zu trösten.“ Und? „Es hat nicht gereicht.“

Sprücheklopfer

So habe er angefangen, Sprüche zu klopfen, Verse zu machen. Dazu sind Melodien gekommen, vor allem die von Peter Janssens. Aber noch tiefer habe er gebohrt nach dem Urgrund, aus dem der Klageschrei und der Freudenausbruch ihre Kraft beziehen.

„Aje ejajaje – Aje ejajajaja!“, heißt es in dem Lied „Du bist meine Zuflucht“. Barths Texte klingen manchmal wie Abzählverse oder Kinderreime, auf urtümliche Weise fremd und einfach sind sie, gewitzt. Wer sie singt, kann sich in einem Schweben wiederfinden. Plötzlich ist alles leicht. Aber stets ist da auch eine Macke, ein Widerhaken. „Ohne Passion wären diese Lieder nicht möglich geworden“, sagt Barth. Wer sie aufmerksam singt, bemerkt: In den Versen ist der Tod nicht verschwunden, sondern wirkt wie der Begleiter einer kostbar klaren Fröhlichkeit.

Heiteres Stammeln

Unterdessen sitzen wir im Haus, etwas unterhalb der Erde, schauen in den Garten, das Gras auf Augenhöhe. Vom Frost liegen die Halme wie umgehauen da, haben Formationen gebildet, die aussehen wie das verwuschelt-verklebte Haar nach einer alptraumhaft verbrachten Nacht. Über das Gras hinaus schauen wir auf Bäume – auch auf den, den Barths Sohn einst im Garten in Frankfurt gepflanzt hat.

Wir spazieren durch Verse, Bilder, Reime – und niemand stört die Kreise, die sie ziehen. Das Gespräch kommt ins Summen und stolpert über Worte, die erzählen, was nicht greifbar ist. „Unser Leben ist ein Stammeln und Fragen und Suchen. Unser Leben geht nie auf“, sagt einer, der ausgelassen ist und heiter. —

Das Gespräch von Georg Magirius mit Friedrich Karl Barth ist in der Zeitschrift Publik Forum nachzulesen.

Einige Lieder, oft mit Peter Horst verfasst und von Peter Janssens vertont: Wir strecken uns nach dir; Ich bin verloren; Brich mit den Hungrigen dein Brot; Selig seid ihr; Jesus Brot; Meinen schweren Kopf; Komm, bau ein Haus; Wir fassen uns ein Herz; In Gottes Namen; Einsam bist du klein; Wundere dich mein Leben. CDs über den Peter Janssens Musik Verlag.

Von Barth zuletzt erschienen: „Flügel im Augenblick“, Strube Verlag München 2009.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 3. April 2012 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Georg Magirius ist Theologe und Schriftsteller und Kolumnist bei "Evangelisches Frankfurt". Mehr unter www.georgmagirius.de.

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