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Von – 12. Mai 2012

Geschenke zur Konfirmation

Schenken ist ohnehin ein schwieriges Unterfangen. Erst recht gilt das für Gaben zur Konfirmation. Die zu beschenkenden Jugendlichen sind noch Kinder, aber schon deutlich auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Die Religionsmündigkeit, die mit 14 Jahren erreicht wird, ist nur eine weitere Station dahin. Doch wo genau sich die Heranwachsenden auf diesem Weg gerade befinden, wissen oft nicht einmal die Eltern, und mit der falschen Wahl eines Mitbringsels kann man empfindliche Verstimmungen provozieren: „Ich bin doch kein Baby mehr!”

In dieser Situation hilft man sich pragmatisch mit einem Geldgeschenk. Das wird in der Tat gern genommen und fließt oft mit anderen Scheinchen in einen größeren Kauf ein, wenn es nicht für den Führerschein auf einem Sparbuch landet. Vorteil: Man hat nichts falsch gemacht. Nachteil: In der größeren Geldsumme gehen die Namen der einzelnen Schenkenden unter. Geld ist in der Tendenz eben doch etwas Unpersönliches.

Wer nach Alternativen sucht, muss sich Gedanken machen und sich vielleicht mit anderen absprechen. Das ist auf jeden Fall aufwändiger und risikobehafteter. Dennoch ist es einen Versuch wert, zu überlegen, welches Lebensgefühl denn gerade dran ist.

Vor fünfzig Jahren war das klar: Für einen Großteil der Jugendlichen fiel die Konfirmation mit dem Schulabgang zusammen, und es begann die Lehre. Eine Uhr gehörte folglich zur Grundausstattung eines jungen Erwachsenen; sie war vorzeigbar und erinnerte ihn zugleich an Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Hinzu kam vielleicht ein Fotoapparat als Symbol für die gestaltbare Freizeit oder bei den Mädchen etwas für die Aussteuer.

Dass das Leben aus Pflichten und Freiheiten besteht, mag auch heute ein Geschenk inspirieren: Schmuck, Konzertkarten, eine neue Frisur oder Kleidung, die den üblichen Rahmen sprengt, wären Ideen für den privaten Bereich der Persönlichkeitsentfaltung. Ein Fahrrad für den jetzt selbst zu bewältigenden Schulweg, ein Laptop, ein Buch wäre etwas für die Bereiche, in denen – möglichst lustvoll – eine zunehmende Eigenverantwortung zu übernehmen ist.

Um das Passende zu finden und nicht peinliche Konzertkarten für eine absolut nicht angesagte Band auf den Gabentisch zu legen, hilft ein über die Monate verteiltes kleines „Geschenkpaket“, das aus Zeit, echtem Interesse, Aufmerksamkeit und freundlicher Zuwendung besteht. So kann Vertrauen wachsen, und man wird als Schenkender nicht nur über ein Mitbringsel wahrgenommen, sondern ist auch als Person gern gesehen. Eine gute Beziehung macht dann vielleicht sogar das gute alte Gesangbuch zu einem glaubwürdigen und geschätzten Geschenk – und das hält viel länger als ein iPod.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Mai 2012 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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