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Von – 12. Mai 2012

Obstsalat aus gesungenen Wörtern

Musikpädagogik im Kindergarten hilft, die Welt der Klänge zu erforschen

Musik macht Spaß und hilft Kindern, sich zu entwickeln: Julia Rother sorgt dafür, dass die Musikpädagogik in Frankfurt einen festen Platz in den Konzepten evangelischer Kindertagesstätten hat. Foto: Rolf Oeser

„Fangen wir gleich an?“ fragt Elif und schaut voller Vorfreude durch die Tür. Einen Moment muss sie sich noch gedulden, dann geht es los: Die Kinder stürmen in den Saal hinein und suchen sich schnell einen Platz auf einer der Filzmatten, die für den Sitzkreis auf dem Boden liegen. Spätestens beim Begrüßungslied erwachen auch beim Letzten die Lebensgeister: Jedes Kind wird darin einzeln willkommen geheißen.

Fröhlich und mit viel Spaß an der Sache singt Julia Rother mit Elif und den anderen Kindern aus ihrer Gruppe das Bewegungslied vom „Zauberer Schrappelschrut“. Dann stellt sie in einem Echospiel einen ganzen „Obstsalat“ an gesungenen oder rhythmisch gesprochenen Wörtern und Lauten zusammen. Lieder und Spiele, die im Sitzkreis stattfinden, folgen dabei immer im Wechsel auf solche, die mit mehr Bewegung verbunden sind und dann den ganzen Raum einnehmen.

Ein halbes Jahr lang ist die Gesangspädagogin und Opernsängerin einmal in der Woche in Elifs Kindergarten zur musikalischen Früherziehung. „Darunter sollte man aber nicht eine Art früher Musikschule verstehen!“ betont Rother sofort. „Es werden hier keine Noten oder Instrumente gelernt. Die Kinder sollen vielmehr die Möglichkeit bekommen, Freude an der Musik zu entwickeln, mit Instrumenten in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu experimentieren, ganz ohne Druck.“

Das Konzept geht offensichtlich auf: Sobald sie eine Kiste mit Instrumenten in die Mitte des Sitzkreises stellt, gibt es kein Halten mehr. Fröhlich probieren die Kinder aus, welche Geräusche man damit erzeugen kann, und erfahren spielerisch, wie man beispielsweise auf einer Trommel ganz unterschiedliche Klänge hervorbringen kann.

Seit gut zwei Jahren ist Rother in der Kita-Fortbildung des Frankfurter Diakonischen Werkes für die Musikpädagogik zuständig. Dass Musik, Tanz und Beschäftigung mit Instrumenten sich günstig auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, ist bekannt. Sie fördern Rhythmus und Gleichgewichtsgefühl, Fein- und Grobmotorik und auch die Sprachentwicklung. Doch für Julia Rother bleibt es nicht bei solchen messbaren Ergebnissen: „Musik ist etwas, das Menschen von Natur aus tief in sich haben, etwas Emotionales. Wenn Kinder die Möglichkeit bekommen, sie frei von Zwang und mit allen Sinnen zu erfahren, kann man damit etwas fördern, das schon in ihnen angelegt ist“, sagt sie. „ Manche erlernen später ein Instrument oder sind gut in Mathematik, aber das sind nur die Ausläufer eines tiefgehenden Fundamentes, das sich durch den Kontakt mit Musik ausbildet.“

Jeweils zwei Einrichtungen betreut die Gesangspädagogin parallel ein halbes Jahr lang, dann sind die nächsten an der Reihe. Dabei soll sie nicht nur die Kinder beim Entdecken von Musik begleiten, sondern gleichzeitig auch die Erzieherinnen und Erzieher darin ausbilden. Auch später besucht sie deshalb die Kindergärten noch zwei Mal im Jahr, um Entwicklungen zu beobachten und bei Problemen und Fragen helfen zu können. „Ideal ist es natürlich, wenn die Einrichtungen das Konzept weiterführen“, erklärt Rother. Und auch die Kinder würden sich wohl darüber freuen. Nach dem Abschiedslied wollen sie nämlich noch lange nicht aufhören.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Mai 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Sara Wagner ist Mitglied der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt" und Studentin der Kulturwissenschaften.

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