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Von – 4. Mai 2012

Raus aus dem christlichen Mikrokosmos

Die dominante Stellung der Kirchen ist immer stärkerem Gegenwind ausgesetzt. Wer dem etwas entgegnen möchte, muss raus aus dem christlichen Mikrokosmos.

Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

Die Leitung der Frankfurter Uniklinik fragt zum Beispiel, warum ein Andachtsraum im Krankenhaus überhaupt christlich sein sollte. Und während in der deutschen Parteienlandschaft  die größte Kritik an „christlichen Privilegien“ bislang von der FDP oder von den Grünen kam, wird das Spektrum mit der Piratenpartei weiter in Richtung Säkularisierung verschoben: Dort kann man sich vorstellen, sämtliche christlichen Feiertage zu streichen und durch neutrale „Kulturtage“ zu ersetzen.

Pröpstin Gabriele Scherle hat sicher Recht, wenn sie in solchen Debatten zu bedenken gibt, dass der christliche Bevölkerungsanteil noch immer die deutliche Mehrheit ausmacht. Aber wie lange noch? Schon aufgrund der demografischen Entwicklung wird er mit Sicherheit in Zukunft weiter zurückgehen. Momentan verlieren die Kirchen jedes Jahr ein Prozent ihrer Mitglieder.

Viele bewegen sich meist unter Gleichgesinnten

Vor dieser Entwicklung sollten sie, sollten die einzelnen Christinnen und Christen nicht die Augen verschließen. Bisher leben viele, zumal die Engagierten, in einem Mikrokosmos. Sie bewegen sich überwiegend in Gruppen von Gleichgesinnten, zum Beispiel in den Kirchengemeinden oder im Freundeskreis. Oft ist ihnen gar nicht bewusst, wohin sich die Diskussionen in anderen Milieus bereits entwickelt haben.

Es wird aber zunehmend darauf ankommen, christliche Inhalte auch im Gespräch mit Menschen zu vertreten, die die entsprechenden Vorannahmen nicht teilen – und zwar nicht, weil sie sie nicht kennen oder nicht verstanden hätten, sondern weil sie sich bewusst dagegen entschieden haben. Zentrale Überzeugungen wie das Gebot der Feindesliebe oder die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen können wesentlich zur gesellschaftlichen Debatte beitragen. Aber dafür müssen sie auch außerhalb des christlichen Rahmens kommuniziert werden.  Dass etwas in Bibel steht, ist ja schlicht und ergreifend kein Argument für Menschen, denen das Christentum egal ist.

Mit Bibelzitaten kommt man nicht mehr durch

Die Jahrhunderte lange Dominanz der christlichen Weltanschauung hat uns vielleicht ein bisschen träge gemacht. Um eine gute Christin zu sein, reichte es bislang, das Glaubensbekenntnis nachzusprechen und die zehn Gebote  zu kennen. Ob man sich das, was mit der „guten Nachricht“ gemeint war, auch wirklich persönlich zu Eigen gemacht hatte, ja, ob man es im Detail eigentlich verstand, war nicht so entscheidend.

Im Gespräch mit Menschen, die sich nicht als Christinnen und Christen verstehen, kommen wir damit nicht mehr durch. Und vielleicht ist das sogar ganz gut so.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 4. Mai 2012 in der Rubrik Gott & Glauben, Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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