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Von – 12. Mai 2012

Weniger Klamotten kaufen

„Ethical Fashion Week“ kritisierte globale Textilproduktion

Mit einer Plakataktion auf der Zeil, mit Vorträgen und einer Kleideraustauschparty machte die Projektgruppe „Global bewegt“ auf die problematischen Aspekte der weltweiten Textilproduktion aufmerksam. Foto: Rolf Oeser

Als Kind habe sie noch erlebt, wie ihre Kleider am Saum ausgelassen und an Kusinen weitervererbt wurden, erzählte Christiane Schurra, Koordinatorin der „Kampagne für Saubere Kleidung“, bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der derzeitigen „Ethical Fashion-Week“ auf dem Uni-Campus Westend.

Wenn ein T-Shirt heute beim Textil-Discounter nur noch 1,99 Euro kostet, zeige das deutlich, wie sehr einzelne Kleidungsstücke an Wert und Wertigkeit verloren haben, kritisierte Schurra. Die Kollektionen der Mode-Ketten wechselten monatlich, und die Lieferfristen betrügen oft nur eine Woche.

Um solche „mörderischen Lieferfristen“ einhalten zu können, müssten Näherinnen in Asien, Lateinamerika und neuerdings auch Rumänien oder Bulgarien an sieben Tagen in der Woche 13 bis 15 Stunden arbeiten, sagte Schnurra. Außerdem verdienten sie so wenig, dass sie oft nicht einmal genug zu essen hätten, und wenn sie versuchten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, würden sie „bedroht, gedemütigt oder rausgemobbt“. Auch Kinderarbeit sei gang und gäbe.

Rund sechs Kilogramm Chemie würden verbraucht, um ein Kilogramm Bauwolltextilien herzustellen, berichtete Alexandra Perschau von der Initiative „Future for Cotton“. Baumwolle wird in 80 Ländern der Welt produziert, 250 Millionen Menschen arbeiten daran, sie anzubauen, zu ernten, zu spinnen, zu weben oder stricken, sie zu veredeln, also zu färben oder zu bedrucken, sie schließlich zu nähen und zu verpacken. 25 Millionen Tonnen werden im Jahr verbraucht.

Die globale Textilkette sei aber immer noch sehr undurchschaubar, sagte Perschau. Bekannt sei laut Weltgesundheitsorganisation, dass über 40 Prozent der Pestizide, also der Chemikalien, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, stark gesundheitsgefährdend seien. Zudem sei der Wasserverbrauch bei der Textilverarbeitung zu hoch.

Um Ressourcen zu schützen, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher einfach weniger und bewusster Kleidung kaufen, sagte Perschau. Außerdem müsse noch mehr Druck auf die Bekleidungskonzerne ausgeübt werden, soziale Standards zu etablieren, ergänzte Schurra.

Positiv sei, dass das Thema „Sozial-ökologische Standards in der Textilkette“ in letzter Zeit mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Dennoch änderten sich die Dinge zu langsam. Langfristig helfe nur, Baumwolle biologisch anzubauen, also ganz auf Pestizide zu verzichten. Aber es müsse sich auch strukturell etwas ändern: Ein Wirtschaftssystem, das weiterhin vor allem auf Profitmaximierung basiere, wolle im Prinzip keine Alternative. Bekleidungsunternehmen, die Kleider zu derart niedrigen Preisen verkauften, wüssten selbstverständlich, dass davon weder vernünftige Löhne gezahlt werden noch ökologische Standards eingehalten werden könnten.

Die „Ethical Fashion Week“ wurde von einer Projektgruppe „Global bewegt“ initiiert, in der auch die Kirchen mitarbeiten.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. Mai 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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