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Von – 6. Juni 2012

Gewalt und Alkohol: Opfer sind oft Frauen und Kinder

Bei jeder dritten Gewalttat ist Alkohol im Spiel. Das Problem ist dabei nicht nur jugendliches „Komasaufen“. Die meisten Taten werden von Erwachsenen verübt.

Alkohol ist oft der Auslöser für Gewalttaten. Denn er verstärkt euphorisierende Machtgefühle, lässt Hemmungen fallen und schränkt die Fähigkeit ein, Probleme rational zu lösen. Foto: svetlana67 – Fotolia.com

„Meiner Ansicht nach wird beim Thema Gewalt und Alkohol zu viel auf Jugendliche geschaut“, sagt Christina Rummel von der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Zwar sei „Komasaufen“ durchaus ein ernstzunehmendes Problem unter Jugendlichen, aber die Mehrzahl der Gewalttaten unter Alkoholeinfluss werde von Erwachsenen verübt. Über den Zusammenhang von Alkohol und Gewalt sprach Rummel im Café „Alte Backstube“ der Evangelischen Suchtberatung in Frankfurt.

Ein Minderheitenproblem ist das nicht: Laut polizeilicher Kriminalstatistik wird jede dritte Gewalttat unter Alkoholeinfluss verübt. Dem „Jahrbuch Sucht“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zufolge sind in Deutschland 1,3 Millionen Menschen alkoholabhängig, weitere 9,5 Millionen konsumieren Alkohol „riskant“.

Wenn jemand latent gewalttätig ist, sei Alkohol oft der Auslöser dafür, dass es tatsächlich zu einem Gewaltausbruch kommt, sagte Rummel. Alkohol verstärkt euphorisierende Machtgefühle, lässt Hemmungen fallen und schränkt die Fähigkeit ein, Probleme rational zu lösen.

Jede zwölfte Frau erlebt regelmäßig häusliche Gewalt

Häufig seien Frauen und Kinder die Opfer. Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums hat jede vierte Frau einmal im Leben körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Beziehungspartner erlebt, ein Drittel davon einmalig, ein Drittel wiederholt und ein Drittel andauernd. „Das bedeutet, dass acht Prozent aller Frauen in Deutschland regelmäßig häuslicher Gewalt ausgesetzt sind“, sagte Rummel.

Schwangerschaft und Kinder würden das Risiko, vom Ehemann misshandelt zu werden, sogar noch erhöhen. Besonders gefährdet seien Frauen, die sich trennen wollen, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, und natürlich wenn in der Familie traditionelle Geschlechterrollen-Verteilung herrscht und der Mann dominieren will.

Für Kinder ist die Lage besonders schlimm

Besonders schlimm sei die Lage für Kinder, weil sie völlig von ihren Eltern abhängig seien. Fast immer würden sie Zeugen der häuslichen Gewalt, wenn sie nicht sogar selbst geschlagen oder sexuell misshandelt werden. „Und sie sind dann total auf sich allein gestellt“, betonte Rummel. Kinder erlebten Gewalt in der Familie als existenzielle Bedrohung, zumal sie unter dem Druck stünden, das „Familiengeheimnis“ zu wahren. „Dann lässt oft der Schulerfolg nach und die Lebensqualität wird bis in spätere Lebenspartnerschaften hinein beeinträchtigt.“

Zwar gibt es laut Rummel zahlreiche Beratungsangebote in Deutschland, aber viele betroffene Frauen und Kinder seien „beratungsfern“ – das heißt, sie wissen nicht, dass man sich auch außerhalb des Familien- und Freundeskreises Hilfe holen kann. Migrantinnen seien oft skeptisch, weil in vielen Ländern öffentlich-staatliche Stellen nicht zum Schweigen verpflichtet sind. Viele Frauen seien auch eingeschüchtert, weil ihre Partner drohen, dass sie verarmen oder ihre Kinder verlieren, wenn sie etwas unternehmen. Und oft würden sie sich auch einfach ihrer Situation schämen.

Alkohol darf nicht überall verfügbar sein

„Alkohol und Gewalt sind nach wie vor Tabuthemen“, kritisierte Rummel. Das Beratungsangebot sei nicht flächendeckend und außerdem schlecht vernetzt – Suchthilfe, Gewaltopferhilfe und Jugendhilfe müssten gemeinsam angeboten werden. Außerdem forderte die Suchtexpertin, dass Alkohol nicht überall und jederzeit zu bekommen sein darf.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 6. Juni 2012 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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