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Von – 16. September 2012

Pierre Stutz: Das Gedankenkarussell regelmäßig stoppen

Wer nur nach Höher, Schneller, Weiter strebt, zahlt einen hohen Preis: Bestseller-Autor Pierre Stutz sprach zur Frankfurter „Woche der Stille“ in der Heiliggeistkirche über die Wichtigkeit, regelmäßig Innezuhalten.

Besteller-Autor Pierre Stutz forderte in der Heiliggeistkirche mehr Bewusstsein für den Wert der Stille. Foto: Rolf Oeser

Den eklatanten Anstieg von Burn-Out-Syndromen, Schlaflosigkeit oder zähneknirschenden Kindern verbucht Pierre Stutz als Folge unserer rastlosen Gegenwart. Permanenter Aktionismus versperre den Weg zu sich selbst, verhindere „im Größeren aufzugehen, im Rhythmus des Lebens zu sein“.

Der Schweizer Theologe sprach in der Heiliggeistkirche zum Thema „Was die Stille erzählt – Impulse für Atempausen im Alltag“. Die Veranstaltung stand im Rahmen einer vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt und dem Amt für Gesundheit gemeinsam organisierten „Woche der Stille“.

Eintauchen in die Ur-Seele Gottes

Stutz, dessen Bücher Millionenauflagen erreichen, warnte davor, „zum Gejagten äußerer Gegebenheiten“ zu werden: „Man lebt dann nicht mehr, sondern wird gelebt.“ Deshalb solle man regelmäßig Auszeiten vom alltäglichen Getriebe nehmen, was aber nicht bedeute „verkrampft ganz ruhig zu sein“. Stille heiße „Eintauchen in den Ur-See Gottes“, sagte Stutz. E, und sich zu erinnern: „Ich bin mehr als mein Gedankenkarussell“. Eine solche geistige Rast könne man jederzeit und überall einlegen, auch in der Warteschlange vor der Kasse im Supermarkt.

Meist würden gerade jene Menschen Ausflüchte vorschieben, die vom Innehalten besonders profitieren würden, sagte Stutz. Am häufigsten komme ihm die Ausrede „Zeitmangel“ zu Ohren. Dabei reichten schon zwanzig Sekunden aus, „um den göttlichen Raum zu betreten und Kraft zu schöpfen“.

Innehalten hat politische Dimensionen

Innezuhalten und dabei sich selbst und Gott zu begegnen, besitzt für Stutz auch politische Dimensionen: Um die Welt zu verändern, seien Bürgerproteste oder Selbsthilfegruppen ebenso von Nöten, wie das Bewusstsein, dass Stille Wirkung zeigt. So habe der frühere UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld nach seinem Amtsantritt sofort einen Raum der Stille eingerichtet, und auch große Kirchengestalten wie Dorothee Sölle oder Thomas Müntzer hätten der Stille einen herausragenden Stellenwert zugewiesen.

Heute entfache die kostbare Gabe der Stille bei vielen Menschen nur noch „panische Angst“. Verkaufsoffene Sonntage würden als Freiheit gepriesen, obwohl sie „de facto eine Form der Versklavung“ seien, sagte Stutz. Die beobachte er bereits bei Kindern, die „durch Play-Stations und Smartphones das Staunen verlernen“.

Regelmäßiges Training ist nötig

Optimal sei es, einmal stündlich der Hektik und Unrast zu entfliehen. Wer es nur einmal täglich schaffe, könne aber auch Effekte verzeichnen. In Stille versinken zu können, erfordere Übung und regelmäßiges Training.

Stutz, der vor zehn Jahren sein katholisches Priesteramt nieder legte, um seine Homosexualität offen leben zu können, warnte aber auch vor falschen Erwartungen. Es gebe „keine große Erleuchtung, nach der alles gut und prima ist. Ein mystischer Mensch ist grenzenlos glücklich, aber immer in Schwierigkeiten“.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 16. September 2012 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe , .

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