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Von – 30. September 2012

Taufe: Gott sagt Ja, nicht der Mensch

Lange stützte die Kindertaufe den Bestand der Volkskirche: Kinder wuchsen von Anfang an in die Kirche hinein. Heute ist die christliche Prägung in vielen Familien schwach geworden. 

Viel zu klein, um schon selbst zu entscheiden: In den meisten christlichen Kirchen werden Kinder schon als Babies getauft. Foto: Jens Schulze/epd-Bild

Die Kindertaufe wird heute weniger selbstverständlich praktiziert als früher, und mehr Wert auf die eigene Entscheidung gelegt.

Mit der Erziehung nehmen Eltern ihre Kinder hinein in ihre eigene Werte- und Lebenswelt. Dazu gehören das gesellschaftliche Umfeld genauso wie die Werte, Normen und Sinnfragen, die oft mehr oder weniger eng mit religiösen Überzeugungen verbunden sind. Kinder brauchen ein solches Orientierungssystem.

Von daher ist die Aufnahme von Kindern in die religiöse Gemeinschaft durch die Taufe nur konsequent. Denn gerade indem sie in einer bestimmten Kultur und Religion aufwachsen, gewinnen Kinder auch ihr eigenes Selbstbild und ihren Lebensentwurf sowie ihre persönliche Einstellung zu den Phänomenen ihrer Umwelt.

Die Kindertaufe wurde erst mit der Etablierung des Christentums als römische Staatsreligion üblich. Die theologische Begründung dafür lautet, dass sich nicht in erster Linie der Mensch für Gott entscheidet, sondern andersherum: Gott entscheidet sich für den Menschen. Gott sagt – im Grunde wie Eltern zu ihrem Kind – ohne Vorbedingungen und Voraussetzungen „Ja” zum Menschen. Ein Kind, das die Taufe passiv erfährt, entspricht diesem Verständnis eher als ein Erwachsener, der womöglich meint, sich erst einmal für den Empfang der Taufe qualifizieren zu müssen.

Wo auf den Bestand einer christlich geprägten Kultur Wert gelegt wird, ist die Kindertaufe Teil der Sozialisation. Allerdings ist die Kindertaufe vor allem dann sinnvoll, wenn Eltern und Paten sowie die Gemeinde, der Kindergarten und der Religionsunterricht aktiv an der religiösen Erziehung mitwirken. Nur dann können religionsmündige Jugendliche bei der Konfirmation auch aus ihrer Kenntnis und Erfahrung heraus sagen, was ihnen ihre Taufe bedeutet. Und anschließend in einen Erwachsenenglauben hineinwachsen.

Eltern, die es besser finden, ihren Kindern die Entscheidung zur Taufe selbst zu überlassen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass jede Erziehung die Wahlfreiheit von Kindern unweigerlich einschränkt. Es ist nicht möglich, Kindern völlige Freiheit zu lassen, denn Kinder orientieren sich ja zunächst an ihren Eltern und gewinnen erst später ihre eigene, davon emanzipierte Sicht.

Wer mit den Grundgedanken des Christentums nie in Berührung gekommen ist, wird sich in aller Freiheit dafür kaum erwärmen können. Die Kirchen haben erkannt, dass christliche Sozialisation ihre Selbstverständlichkeit längst verloren hat, und bieten Glaubenskurse an.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 30. September 2012 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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