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Von – 17. Oktober 2012

Neue Viertel in alten Gemeinden

In Frankfurt wird viel gebaut, die Bevölkerung wächst. Die meisten Neubaugebiete gehören zu einer „alteingessenen“ Kirchengemeinde. Wie kommen alte und neue Gemeindemitglieder zusammen?

Blick vom Neubaugebiet an der Friedberger Warte über Bornheim bis zur Frankfurter City. Foto: Ilona Surrey

Zum Beispiel in Preungesheim. Als Christof Warnke vor zehn Jahren in den Frankfurter Bogen zog, entstand gerade der zweite Bauabschnitt. „Wir haben uns in Ort und Gemeinde schnell eingelebt, ohne dass wir uns besonders anstrengen mussten“, sagt der 73-Jährige. „Jetzt ist meine Frau schon lange im Kirchenvorstand.“

„Inzwischen besteht beinahe der halbe Kirchenvorstand aus Neuzugezogenen“, freut sich Pfarrer Hans Hofmann von der Kreuzgemeinde. „Die meisten sind zwischen 35 und 50 Jahre alt und wollen in Ort und Kirche etwas bewirken.“ Aber obwohl die Infrakstruktur gut ist und viele Begegnungsmöglichkeiten bietet – etwa auf dem neu entstandenen Freitagsmarkt im Neubauviertel, auf den auch die Alteingesessenen gerne gehen – ist der Stadtteil noch nicht ganz zusammengewachsen.

„Das dauert wohl eine Generation“

In der älteren Generation bilden ganze Straßenzüge seit Jahren feste Gemeinschaften, die distanziert von „denen da oben im Bogen“ sprechen, weiß Hofmann. „Und umgekehrt ist es auch so“, sagt Warnke. „Viele junge Familien aus dem Apfelviertel können mit dem alten Preungesheim nicht viel anfangen. Das dauert wohl eine Generation.“

Die meisten der überwiegend jungen und gut verdienenden Mittelstandsfamilien, die in die Frankfurter Neubaugebiete gezogen sind, lernen die Kirchengemeinde bei einer Trauung oder Taufe kennen. Eine gute Gelegenheit, um alte und neue Gemeindemitglieder zusammenzubringen, sind auch Feste. Das Sommerfest der Kreuzgemeinde zum Beispiel startete in der Apfel-Kita „oben“ am Frankfurter Bogen, dann wanderte die ganze Gemeinde zur historischen Kreuzkirche im Alt-Preungesheimer Ortskern.

Um neu und alt miteinander zu verbinden, muss man sich einfach mal in Bewegung setzen. Ihr Sommerfest im September startete die Kreuzgemeinde an der Kita im neuen Apfelviertel und ging dann gemeinsam zur Kreuzkirche im alten Dorfkern. Foto: Reinhold Voigt-Wiegand

Während in Preungesheim die „Alteingesessenen“ noch immer in der Mehrheit sind, hat sich das Verhältnis in der Dreifaltigkeitsgemeinde sogar umgekehrt. Von den 1350 Gemeindemitgliedern leben nur noch 250 in der alten Kuhwaldsiedlung rund um die Kirche. Der Rest wohnt in der vor acht Jahren entstandenen City West oder in der seit fünf Jahren wachsenden Bebauung des Rebstockgeländes. Wenn das Europaviertel fertig ist, werden noch einmal 400 bis 500 neue Gemeindemitglieder dazukommen. Dort soll dann auch ein Gemeindezentrum entstehen.

Rebstockbebauung und Europaviertel

„Wir befinden uns in einer schwierigen Übergangsphase“, sagt Pfarrer und Dekan Horst Peter Pohl. „Die Kerngemeinde in der Kuhwaldsiedlung, die sonntags in den Gottesdienst kommt und den Kirchenvorstand bestimmt, wird immer älter. Und die jungen, gut verdienenden Mittelstandsfamilien in City West und am Rebstock haben andere Bedürfnisse.“ Die Gemeinde bietet daher vermehrt Musik- und Kulturveranstaltungen an und feiert besondere Gottesdienste. „Auch die Dreifaltigkeitskirche selbst ist ein Anziehungspunkt“, sagt Pfarrerin Birgit Bohl-Croseck. „Sogar Menschen, die nichts mit Kirche zu tun haben, fühlen sich darin geborgen.“

Bohl-Croseck wohnt seit anderthalb Jahren in der Rebstocksiedlung und wechselt sich bei den wöchentlichen Gottesdiensten in der Seniorenresidenz Rebstockpark mit ihrer katholischen Kollegin ab. „Ins Rebstock ziehen nicht nur junge Familien, sondern auch Menschen über 65, die sich dort eine Eigentumswohnung kaufen“, erzählt sie. „Das ist wieder eine andere Klientel, die wir in die Gemeinde zu integrieren versuchen.“

Rund um die Friedberger Warte: Angebote fehlen

Die vor rund sieben Jahren aus der amerikanischen Siedlung entstandenen Neubaugebiete New Betts, Waterpark und New Atterberry rund um die Friedberger Warte gehören zur Festeburggemeinde, zur Wartburggemeinde und zur Gemeinde Bornheim. Pfarrer Matthias Weber aus Bornheim ist vor allem in der neu entstandenen Valentin-Senger-Schule in New Atterberry präsent. Im Vergleich „zum eher kirchenkritischen Bornheim“, wie er sagt, nimmt er bei vielen Eltern dieser Ganztags-Grundschule große Aufgeschlossenheit für Religionsunterricht wahr.

Sie beklagten sich aber, dass es kein Angebot für ältere Grundschulkinder und Jugendliche im Stadtteil gebe. An Weihnachten will Weber zusammen mit der katholischen Gemeinde die Räume der Schule für einen „lebendigen Adventskalender“ nutzen. Jugendliche verweist er auf die Angebote und Einrichtungen in Bornheim – von New Atterberry aus ist man jetzt mit der Straßenbahn in zwanzig Minuten dort.

Bahnhofsviertel und City West: Soziale Unterschiede

Schwieriger ist es, wenn die sozialen Unterschiede groß sind. In der Hoffnungsgemeinde etwa lebt die Hälfte der Gemeindemitglieder im Gutleut- und im Bahnhofsviertel, „überwiegend Arbeiter, Arbeitslose, Hartz IV-Empfänger und arme Rentner“, sagt Pfarrer Lars Kessner. Die andere Hälfte lebt im Westend und im neu entstandenen Westhafenviertel.

Friedhelm Kirmeier ist vor fünf Jahren an den Westhafen gezogen und mittlerweile im Kirchenvorstand: „Die Gemeinde hat mich schnell überzeugt. Es ist eine der spannendsten Gemeinden, die es in Frankfurt gibt. Da stoßen wirklich Gegensätze aufeinander, es gibt hier mehr Moscheen als Kirchen.“ Westhafener und Gutleutler träfen sich durchaus am Sonntag in der Gutleutkirche und kämen auch miteinander ins Gespräch, erzählt Kirmeier. „Darüber hinaus aber eher nicht.“ Solidarität zeige sich etwa in der Spendenbereitschaft, ergänzt Pfarrer Kessner. Einen gemeinsamen Museumsbesuch zu organisieren, sei dagegen schon schwierig. „Da driften die Interessen doch zu sehr auseinander.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 17. Oktober 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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