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Von – 11. November 2012

Diakoniezentrum Weser 5: Respekt gegenüber Obdachlosen

Nach zweijährigem Umbau ist das Diakoniezentrum „Weser 5“ im Bahnhofsviertel wiedereröffnet worden. Die Übergangswohnungen für obdachlose Männer sind jetzt einladend und großzügig.

Mohammed Hag zeigt sein Zimmer im neu renovierten Wohnheim des Diakoniezentrums Weser 5, in dem er sich wohlfühlt und vieles nach eigenen Vorstellungen gestaltet hat. Foto: Rolf Oeser

Einladende Räume, großzügige Gestaltung und helle Farben – an die üblichen Unterkünfte für wohnungslose Menschen erinnert in den Häusern Weserstraße 3 und 5 im Bahnhofsviertel gar nichts mehr. Früher hätten auch hier dunkle Flure und muffige Zimmer für einen „deutlichen Heimcharakter“ gesorgt, sagte die Leiterin des Diakoniezentrums, Renate Lutz, bei der Eröffnung. Jetzt drückten die Räumlichkeiten „Respekt gegenüber den Bewohnern“ aus.

Nach zweijährigen Sanierungsarbeiten ist in „Weser 5“ nun der Startschuss für ein innovatives Wohnkonzept gefallen. Achtzehn Einzelzimmer, zwei Zweizimmer- und drei Doppelappartements mit Bad und Kochzeile erlauben wohnungslosen Männern, ihre Privatsphäre und Eigenständigkeit zu wahren. Auch ein behindertengerechtes Appartement hält das Haus nun vor.

Privatsphäre und Eigenständigkeit

Der in Frankfurt bislang einzigartige Vorstoß im Bereich Wohnungslosenhilfe dürfte auch bundesweit eher die Ausnahme sein. Bei der Wiedereröffnung des Wohnheims sagte der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt, Pfarrer Michael Frase, Weser 5 führe vor Augen, „wie Menschen ohne Wohnung leben sollen und können“. Es sei ein „Hoffnungsort“.

Über 2,7 Millionen Euro hat der Umbau gekostet – „gut angelegtes Geld“, wie die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbands, Pfarrerin Esther Gebhardt, findet. Der Regionalverband kam für etwa die Hälfte der Kosten auf, die andere Hälfte kam durch Zuwendungen von Stadt, Landeskirche und Sponsoren zusammen, darunter knapp 500.000 Euro von der Fernsehlotterie.

Diakonie ist nicht nur Barmherzigkeit

Am christlichen Gebot der Nächstenliebe, zusammengefasst in dem Matthäuswort „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, gebe es nichts zu rütteln, sagte Gebhardt. Diakonie beschränke sich aber nicht auf reine Barmherzigkeit, sondern verfolge stets „das anspruchsvolle Ziel, Menschen von der Hilflosigkeit in die Selbständigkeit zu führen“.

Die Hilfe für Menschen, die auf der Straße gelandet sind, endet im Diakoniezentrum nicht damit, ihnen für bis zu zwei Jahren ein Domizil zu gewähren. In einer Beratungsstelle finden sie auch Unterstützung bei der Stabilisierung ihrer Lebenssituation. Außerdem gibt es acht Notübernachtungsplätze in Einzelzimmern, eine Wohngruppe für junge Erwachsene sowie einen mit Duschen, Waschküche, Ruhebereich, Mittagstisch, Kleiderkammer, Computerplätzen und Fahrradwerkstatt ausgestatteten Tagestreff. Und um auch diejenigen zu erreichen, die nicht von selbst Hilfe aufsuchen, ist eine Straßensozialarbeiterin in ganz Frankfurt unterwegs.

Immer mehr Obdachlose aus Osteuropa

So umfassend das Hilfeangebot auch ist, es reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Seit Jahren wächst die Zahl der Besucher im Tagestreff, 2011 waren es im Tagesdurchschnitt rund hundert Menschen, darunter immer mehr aus Osteuropa. Dieses Problem werde von der Politik „wie eine heiße Kartoffel hin und her geschoben“, aber nicht angepackt, kritisierte Esther Gebhardt. Michael Frase rückte in den Blick, dass die vor allem aus Rumänien und Bulgarien stammenden Menschen keinen Zugang zu hiesigen Hilfesystemen haben. An zahlreichen Stellen bestehe dringender Handlungsbedarf, zum Beispiel gebe es nicht genug Sanitäranlagen im Bahnhofsviertel.

„Wir müssen einen Weg finden, mit dem Problem, das nun mal da ist, umzugehen“, sagte Frase. Dass es ohne die Dienste, die das Diakoniezentrum seit über zwanzig Jahren als zentraler Anbieter in der Frankfurter Wohnungslosenhilfe leistet, noch schlimmer aussähe, ist auch der Stadt bewusst. Bürgermeister Olaf Cunitz sagte, er schätze er es sehr, im Bemühen um eine verantwortungsvolle Sozialpolitik im Diakonischen Werk einen „starken Partner an der Seite“ zu wissen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 11. November 2012 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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