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Von – 9. Februar 2013

Fasching feiern ist unnötig

Fasching ist nichts für eingefleischte Protestanten. Weil sie die Fastenzeit nicht als Verpflichtung zu besonders einschneidendem Verzicht wahrnehmen, müssen sie auch vorher nicht noch einmal über sämtliche Stränge schlagen.

Foto: Antje Schrupp

Fasching ist nichts für eingefleischte Protestanten– Ausnahmen, zum Beispiel in Basel,  bestätigen die Regel. Ohnehin stehen die Kinder und Kindeskinder der Reformation von alters her nicht in dem Ruf, sich überschwänglich großen Sinnesfreuden hinzugeben.

Maßvoll muss es stets zugehen, die ethischen Ansprüche haben konstant und in jeder Lebenssituation sichtbar zu bleiben, und es wird fleißig gearbeitet, aber ohne jeden Selbstruhm. Das macht die Protestanten mitunter etwas langweilig, und im Fasching sind sie eher Spaßbremsen.

Zum einen verabscheuen sie Grenzenlosigkeit schon an sich, zum anderen haben sie die Fastnacht als „Kirchenjahreszeit” gar nicht auf dem Schirm, weil sie auch die Fastenzeit nicht als Verpflichtung zu besonders einschneidendem Verzicht wahrnehmen – und deswegen natürlich auch vorher nicht noch einmal über sämtliche Stränge schlagen müssen.

Während in der katholischen Tradition das Fasten als ein notwendiges und besonders gottwohlgefälliges Handeln und gutes Werk betrachtet wird, mit dem man Gott zur Versöhnung bewegen kann, wissen sich die Protestantinnen in dieser Hinsicht völlig machtlos und auf Gottes Gnade angewiesen. Der hat von sich aus dem Sünder den Weg zu sich gebahnt und ihm „gnädig“ Zugang zur Gemeinschaft mit sich gewährt.

Von daher wissen sich die Protestanten in der permanenten und letztlich unbezahlbaren Schuld gegenüber Gott: Mit ihrem ganzen Leben wollen sie Gott so gut als möglich für seine Barmherzigkeit danken und es in seinem Sinn gestalten. Weil sie dies als stete Verpflichtung empfinden, verbietet es sich für sie, sich erst gehen zu lassen, um dann besondere Zurückhaltung zu üben.

Dennoch hat die Passionszeit auch im Protestantismus einen besonderen Charakter. Sie ist eine Bußzeit, wie die Kirchenfarbe Lila andeutet. Buße wird dabei nicht wie im modernen Sprachgebrauch als Strafe empfunden (wie beim „Bußgeld“), sondern als lebensfreundliche Besinnung auf das Wesentliche und Richtige, als überzeugte Umkehr von verkehrten Wegen, als durchaus fröhlich-mutige Neuorientierung.

Die Frage, die man sich stellt, lautet also: Wie kann ich Gottes Gnade noch besser für meine Umgebung widerspiegeln, wie kann ich Gott noch besser ehren? Indem sie einen kritischen Blick auf allzu eingefleischte Selbstverständlichkeiten wirft, will die Aktion „7 Wochen ohne“ bzw. jetzt “7 Wochen anders leben” genau in diesem Sinn eine neue Sicht bewirken und Umorientierung einüben. Nicht nur für die Passionszeit, sondern grundsätzlich.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 9. Februar 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, Meinungen, erschienen in der Ausgabe , .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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