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Von – 22. Februar 2013

Zeit der Schmetterlinge – Ausstellung von Parastou Forouhar

Eine Ausstellung der iranischen Konzeptkünstlerin Parastou Forouhar ist noch bis 11. April in der Evangelischen Akademie am Römerberg 9 zu sehen.

Man muss schon sehr genau hinschauen, was sich im Detail hinter den bunten Schmetterlingen von Parastou Forouhar verbirgt. Foto: Rolf Oeser

Man muss schon sehr genau hinschauen, was sich im Detail hinter den bunten Schmetterlingen von Parastou Forouhar verbirgt. Foto: Rolf Oeser

„Oh, wie schön!“ denkt man beim ersten Blick auf die bunten Schmetterlinge, die auf den großen Ausstellungswänden in der Evangelischen Akademie am Römerberg zu sehen sind. Doch das Werk der iranischen Konzeptkünstlerin Parastou Forouhar ist doppelbödig: Bei näherer Betrachtung entdeckt man nämlich Figuren in den Flügeltieren: Gefolterte und Gequälte, Menschen im Fadenkreuz oder hinter Gittern, und solche, die auf dem Boden kauern, um sich zu schützen. Sogar Getötete sind zu erkennen.

Selten zeige sich „das Brutale in so schöner Gestalt“, sagte Kurator Christian Kaufmann bei der Ausstellungseröffnung. Das Doppelbödige, das Spielerische und Leichte, ebenso wie das Ironische seien typische Merkmale Forouharscher Kunst. Die Künstlerin verbindet jedes ihrer Schmetterlingsmotive mit einem gewalttätigen Ort im Iran, etwa einem Gefängnis, oder mit einem für sie wichtigen Datum, darunter auch die Ermordung ihrer Eltern, die 1998 als führende Oppositionelle in ihrem Haus in Teheran umgebracht wurden.

Politische und autobiografische Kunst

Forouhars Arbeit sei zutiefst politisch und autobiografisch, erklärte Kaufmann, aber die dargestellte Gewalt habe auch eine globale Dimension: „So abwegig die Vorstellung zunächst sein mag, sich diese Tapete in die eigenen vier Wände zu holen, so treffsicher ist die Aussage, die Gewaltdarstellungen auf ihnen hätten auch etwas mit unserem Leben zu tun.“

Ebenso doppelbödig sind die vier Daumenkinos aus der Reihe „1001 Tag“, die auf der Rückseite der Tapetenwand zu sehen sind: Als vordergründig spielerisch und kindlich heiteres Medium blättern sie erschreckenderweise Möglichkeiten des Folterns auf, darunter eine Steinigung und eine Vergewaltigung. In den Märchen von „1001 Nacht“ erzählte Shererazade dem Kalifen Geschichten und rettete sich so vor der Hinrichtung. Die Daumenkinos „1001 Tag“, die tausendundeine Folgerungsmethode abbilden, wollten wohl sagen, dass es am Tag ganz anders aussieht, erläuterte Kaufmann. Bei Gewaltexzessen, wie sie täglich in den Medien zu sehensind, helfe die poetische Kraft der Märchen nicht.

Gemeinsamkeiten mit Georg Büchner

Die Ausstellung trägt den Titel „Der Schmerz hat ein feineres Zeitmaß“, ein Zitat aus „Dantons Tod“ von Georg Büchner, das in voller Länge auf einer der Ausstellungswände geschrieben steht: „Und dann – ich fürchte den Tod nicht, aber den Schmerz. Es könnte weh tun, wer steht mir dafür? Man sagt zwar, es sei nur ein Augenblick, aber der Schmerz hat ein feineres Zeitmaß, er zerlegte eine Tertie. Nein! Der Schmerz ist die einzige Sünde und das Leiden das einzige Laster. Ich werde tugendhaft bleiben.“

Mit Büchner, so Kaufmann, teile die Künstlerin „den Kampf gegen ein autoritäres Regime, gegen Unterdrückung und für die Freiheit, die Erfahrung von Verfolgung und Exil, aber auch den Glauben an die Kraft der Kunst.“ Mit ihrer Kunst habe Forouhar einen utopischen Raum eröffnet, der die Wahrnehmung und das Denken verändern könne.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 22. Februar 2013 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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