Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

E-Mail

E-Mail

Über jeden neuen Beitrag informieren wir Sie mit einer Nachricht per Mail.

Aktuell

Von – 27. März 2013

Ein Feiertag ohne Tralala

An Weihnachten gibt es Lichterbäume und Bescherung, zu Ostern werden Eier bemalt. Der Karfreitag hingegen ist arm an Brauchtum und Brimborium.

Nur am Karfreitag ist das Parament am Altar schwarz – so wie hier in der Fechenheimer Melanchthonkirche. Foto: Rolf Oeser

Nur am Karfreitag ist das Parament am Altar schwarz – so wie hier in der Fechenheimer Melanchthonkirche. Foto: Rolf Oeser

Er ist einer der höchsten christlichen Feiertage – doch hierzulande merkt man von Karfreitag kaum etwas. Öffentliche Tanzveranstaltungen sind zwar verboten, aber wer nicht gerade jedes Wochenende im Club verbringt, wird davon kaum etwas mitbekommen. Das Radioprogramm ist vielleicht etwas getragener als sonst. Doch als religiöses Fest wird der Karfreitag heute nur noch von wenigen Menschen aktiv gestaltet.

Der primär ernste Charakter des Karfreitags entfaltet sich vor allem in den Gottesdiensten dieses Tages. Dass es um Trauer und Entsetzen geht, spiegelt sich darin, dass in vielen protestantischen Kirchen die Altäre frei sind von Kerzen und Blumen. Glocken und Orgel schweigen vielerorts bis zum Ostermorgen. Nur an diesem einen Tag im Jahr sind die Paramente – also die schmückenden Textilien auf dem Altar und im Kirchenraum – als Reflex auf das Todesgeschehen schwarz, oder sie fehlen ganz.

Dankbarkeit am „Guten Freitag”

Besonders heftig ist die Hinrichtung Jesu am Kreuz präsent, wenn der Gottesdienst um 15 Uhr zur Todesstunde Jesu beginnt. Inhaltlich haben die Klage und das Bekenntnis der eigenen Schuld ein großes Gewicht, aber es kommt auch der Gehalt des „Guten Freitags” zur Sprache, wie Luther den Karfreitag nannte: Jesu bewusstes Sterben für die Vielen erträgt kein fröhliches Tralala, und doch weckt es Dankbarkeit dafür, dass auch Sünderinnen und Sünder nun nicht mehr sterben müssen, sondern ewiges Leben erlangen. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der für diesen Tag reichlich komponierten Kirchenmusik.

Zum Jubel wird die Dankbarkeit für Jesu Selbsthingabe aber erst am Ostermorgen, also am Sonntag. Der Karfreitag, dessen erste Silbe vom althochdeutschen „Kara” kommt, was Klage, Trauer und Kummer bedeutet, ist noch ganz von Nachdenklichkeit, vom Innehalten und von Zurückhaltung in jeder Hinsicht geprägt.

Keine Speisegebote im Protestantismus

Selbst wenn es im Protestantismus keine Speisegebote gibt, wird an diesem Tag beileibe nicht nur in katholischen Haushalten auf Fleisch verzichtet oder Fisch – nicht nur Karpfen – serviert. Der Fisch ist dabei Fastenspeise, und zugleich ist er auch selbst ein christliches Symbol. Im Griechischen ergaben die Buchstaben des Wortes „Fisch” nämlich die Anfangsbuchstaben für ein komplettes Glaubensbekenntnis: „Jesus Christus ist der Sohn Gottes, der Heiland.”

Das Brauchtum des Karfreitags im öffentlichen Leben besteht darin, auf alles zu verzichten, was als oberflächlicher Spaß und billige Belustigung oder als ausdrückliche Ignoranz und gar Provokation gegenüber dem Todesgeschick Jesu missverstanden werden könnte.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 27. März 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

Meistgelesene Artikel

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, Kommentare werden vor der Veröffentlichung freigeschaltet.