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Von – 23. März 2013

Mittelalterliche Musik ohne Rhythmus und Tonarten

„Die Wurzeln unserer abendländischen Kultur liegen im Mittelalter, und mich überzeugt die unvergleichliche Wirkung dieser modalen Musik“, sagt Bettina Strübel. Die Bockenheimer Kantorin holt diese Musik ins Heute.

Bettina Strübel mit einem Portativ, einer portablen Handorgel. Die Bockenheimer Kantorin ist ein Fan von mittelalterlicher Musik. Foto: Ilona Surrey

Bettina Strübel mit einem Portativ, einer portablen Handorgel. Die Bockenheimer Kantorin ist ein Fan von mittelalterlicher Musik. Foto: Ilona Surrey

Ein großer Stuhlkreis im Zentrum Verkündigung in der Markuskirche in Bockenheim. Auf jedem Platz eine Postkarte mit dem Werk „Scivias. Wisse die Wege“ der Hildegard von Bingen. Kantorin Bettina Strübel beginnt mit den Einsingübungen. Dabei benutzt sie Begriffe wie „Torculus“ oder „Quilisma“. Es ist Musik aus einer anderen Zeit – und das bedeutet nicht nur andere Klänge. Diese Musik braucht auch eine andere Sprache und eine andere Notenschrift. Bettina Strübel hat sie von den alten Handschriften auf neue Notenblätter übertragen und die fremden Zeichen auf einem Flipchart erklärt.

In einer Vorstellungsrunde erzählen die 35 Teilnehmerinnen der Chorwerkstatt, warum sie hier sind: „Ich habe mich mit der Kräuterkunde von Hildegard von Bingen beschäftigt, jetzt interessiert mich auch ihre Musik“. „Ich bin Klavierlehrerin und möchte mal Musik kennenlernen aus einer Zeit, in der es mein Instrument noch nicht gab“.

Hildegard-Lieder gewinnen ihre Intensität durch die Frauenstimme

„Wenn Männerstimmen fehlen, wird das oft als Mangel empfunden“ erklärt Bettina Strübel, „aber die Hildegard-Lieder gewinnen ihre Intensität gerade durch die klaren Frauenstimmen.“ Obwohl einstimmig gesungen wird, sind die Teilnehmerinnen überrascht, wie schwer es ist, die richtigen Töne zu treffen. Es gibt keine Rhythmisierung durch einen vorgegebenen Takt und auch kein Dur und kein Moll, sondern nur einen Grundton, um den herum die lateinischen Texte moduliert werden. Höchste Konzentration ist angesagt. Aber alle sind beeindruckt, wie stark die Gesänge wirken.

„Die Wurzeln unserer abendländischen Kultur liegen im Mittelalter, und mich überzeugt die unvergleichliche Wirkung dieser modalen Musik“, sagt Strübel, die vor eineinhalb Jahren aus dem Rheinland nach Frankfurt gekommen ist und sich neben mittelalterlicher Musik auf interreligiöse Chorprojekte spezialisiert hat. Sie plant, in Frankfurt eine „Frauen-Schola“ zu gründen, um auf dem Deutschen Evangelischen Chorfest in Leipzig 2014 eine Hildegard-Vesper zu singen.

Weitere musikalischen Projekte sind geplant

Der Workshop endet mit einem gewaltigen „Kyrie“, für das die Chorleiterin die Sängerinnen ausdrücklich aufgefordert hat, nach dem einstimmigen ersten Durchlauf die Klänge frei aneinanderzufügen. Und es gelingt. Als sie die Dirigentinnen-Hand zum Abschluss hebt, endet der Gesang mit einem fast außerirdischen, dissonanten Akkord. Anschließend tiefe Stille. Die Hände, die so gerne dankbar Beifall geklatscht hätten, halten still. Doch es ist auch so klar, dass die Chorwerkstatt ein Erfolg war.

Eine weitere Chorwerkstatt zu Hildegard von Bingen findet am 21. und 22. September in Frankfurt statt. Als Organistin ist Bettina Strübel jeden Mittwoch um 18.30 Uhr beim „Orgelpunkt“ in der Jakobskirche am Kirchplatz in Bockenheim zu hören, Eintritt frei. Im Juni plant Strübel ein interreligiöses Chorprojekt.

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Beitrag von , veröffentlicht am 23. März 2013 in der Rubrik Kultur, erschienen in der Ausgabe , .

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