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Von – 20. April 2013

„Diese Stadt ist so entspannt“

Eine christlich-muslimische Delegation aus Kairo erkundete auf Einladung der evangelischen Kirche Frankfurter Glaubenswelten.

Besuch der Merkez Moschee im Bahnhofsviertel: Gäste aus Kairo erkundeten das Zusammenleben der Religionen in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Besuch der Merkez Moschee im Bahnhofsviertel: Gäste aus Kairo erkundeten das Zusammenleben der Religionen in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

„Wir kommen gerade von den Buddhisten“, sagt Ilona Klemens fröhlich, während sie in Socken über den weichen Teppich der Merkez-Moschee in der Münchener Straße läuft. Klemens begleitet als Pfarrerin für interreligiösen Dialog eine Gruppe aus Ägypten durch die Glaubenswelten am Main. Zwölf Gäste aus Kairo sind beim Evangelischen Regionalverband zu Besuch; von Selçuk Dogruer hören sie, wie muslimische Gemeinden in Deutschland organisiert sind. „Die Imame der 83 hessischen Moscheen kommen alle aus der Türkei“, erklärt der Landesbeauftragte für den interreligiösen Dialog der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion „Ditib“ auf Arabisch. Soziologinnen sind unter den Gästen, Pfarrer und Imame. Sie schauen verwundert. „Das ist für sie etwas Neues“, sagt Klemens.

„Was können wir für Ägypter nach der Revolution tun?“

Die Gruppe ist zur Hälfte christlichen und zur Hälfte muslimischen Glaubens. Einige Wochen zuvor war eine zwölfköpfige Delegation aus Frankfurt, ebenfalls muslimisch und evangelisch-christlich gemischt, in Kairo zu Gast gewesen. „Mit dem Austausch sollen der interreligiöse und der politische Dialog gefördert werden“, sagt Ilona Klemens, die das Projekt mit finanzieller Unterstützung der Stadt Frankfurt für den Regionalverband realisiert hat.

Die Idee dazu war vom ägyptischen evangelischen Pfarrer Tharwat Kades aus Langen gekommen. „Was können wir für die Ägypter nach der Revolution tun?“ hatte er sich gefragt. Seine Antwort: „Den Dialog fördern. Wir müssen miteinander sprechen.“

Städtepartnerschaft Frankfurt-Kairo seit 1979

Die ägyptische Gruppe unterhält sich in der Besuchswoche in der Tat sehr viel – mit Vertreterinnen und Vertretern der beiden großen Kirchen, mit Imamen von Moscheen im Bahnhofsviertel und in Hausen; außerdem ist sie zu Gast im buddhistischen Tempel an der Hanauer Landstraße und in der Westend-Synagoge. Das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen in ein und derselben Stadt ein wichtiges Thema der Reise.

Die Verbindung hat Tradition: Seit 1979 gibt es eine Städtepartnerschaft zwischen Kairo und Frankfurt. „Mir gefällt Frankfurt, es kommt mir sehr entspannt vor“, schildert Amna Mohamed Nossier ihren Eindruck. „Ein bisschen wie Alexandria, wo die Stimmung weit weniger aufgeheizt als in Kairo ist.“ Nossier ist Professorin für islamische Studien an der Al Azhar Universität in Kairo. Sie beschreibt, dass es Probleme zwischen christlichen und muslimischen Gruppen in Ägypten „erst seit dreißig oder vierzig Jahren“ gebe. Derzeit sei die Situation aber sehr angespannt. Der Anschlag auf eine koptische Kirche mit 21 Toten vor zwei Jahren ist noch vielen im Gedächtnis.

Viele hatten eine falsche Vorstellung vom säkularen Staat

Und worüber wundern sich Ägypterinnen und Ägypter in Deutschland? „Zum Beispiel über die positive Haltung evangelischer Theologen zur Homo-Ehe“, sagt Tharwat Kades. Damit könnten sich weder Muslime noch Christinnen vom Nil anfreunden. Und sonst? „Von einem säkularen Staat wie Deutschland hatten viele eine falsche Vorstellung“, sagt Ilona Klemens. „Sie dachten, das sei gleichbedeutend mit einem religionsfeindlichen Staat. Ich sehe es als einen Erfolg unseres Projekts, dass wir dieses Vorurteil aufklären konnten.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 20. April 2013 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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