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Von – 16. April 2013

„Humor schützt vor Fanatismus“

Gisela Matthiae ist Pfarrerin – und Clownin. Das Verhältnis von Glaube und Humor beschäftigt die 53 Jahre alte Theologin schon seit Jahren, und in Workshops unterrichtet sie regelmäßig das, was sie die „Kunst des Stolperns“ nennt. Ein Interview.

Pfarrerin Gisela Matthiae als Clownin bei ihrem Auftritt in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Foto: Ilona Surrey

Pfarrerin Gisela Matthiae als Clownin bei einem Auftritt in der Evangelischen Akademie am Römerberg. Über das  Verhältnis von Glauben und Humor hat sie gerade ein Buch geschrieben, außerdem bietet sie „Clownworkshops“ an. Seit April leitet sie zusammen mit ihrer Kollegin Anne Daur-Lyrhammer das Evangelische Frauenbegegnungszentrum in Frankfurt. Foto: Ilona Surrey

Frau Matthiae, braucht man Humor, um an Gott glauben zu können?

Ja! Denn der Sinn für Humor ist auch ein Sinn für scheinbar Unmögliches. Es könnte sein, dass Gott mir ganz nahe ist und mir eben schelmisch über die Schulter linst, wie ich da über Glauben und Humor und Kirche und Lachen nachdenke. Glaube ich an Gottes Gegenwart, bewahrt mich der Humor davor, meine eigenen Bilder von Gott und meine Glaubenssätze allzu fest zu zimmern. Humor schützt den Glauben vor Fanatismus.

Warum wird dann normalerweise in Kirchen so wenig gelacht?

Die christlichen Kirchen haben eine lange Tradition, das Lachen als unkontrollierte Körperreaktion auf eine Stufe mit der Sünde zu stellen. Beherrschung und Askese haben alles Sinnliche und Körperliche begrenzt, obwohl doch gerade die christliche Religion von der Inkarnation Gottes, also der „Fleischwerdung“, lebt. Aber noch etwas anderes: Wer lacht, nimmt sich die Freiheit, Unpassendes oder Übertriebenes zu kommentieren, auch falsches Pathos. Und davon gibt es in jeder Religion genug. Das Lachen wird dann schnell als ungläubig diffamiert, weil es furchtlos und relativierend ist. Dabei ist es ein wichtiges, kritisches Instrument. Denn es haben sich schon viele mit Gott selbst verwechselt.

Wie kann man befreienden Humor von verletzendem Spott unterscheiden?

Indem man fragt: Wer lacht hier über wen oder mit wem?  Humorvolles Lachen ist ein Lachen auf Augenhöhe, mit den anderen, und über Missgeschicke oder Missliches, das einen selbst betrifft. Man nimmt dann die Situation ernst, aber nicht zu ernst. Spöttisches Lachen hingegen ist verletzend, weil es andere herabsetzt, ausgrenzt und schlecht macht. Es gibt aber auch spöttisches Lachen von unten nach oben, etwa in Diktaturen oder in durchaus vertrauten Einrichtungen, die stark von Hierarchien geprägt sind. Das kann auch die Kirche sein. Humor, Lachen und Spott – auch hier ist immer diese berühmte Machtfrage zu stellen.

In Frankfurt kann man Gisela Matthiae in Zukunft noch in einer anderen Rolle erleben: Seit April leitet sie – zusammen mit ihrer Kollegin Anne Daur-Lyrhammer – das Evangelische Frauenbegegnungszentrum in der Saalgasse 15 (Nähe Römerberg).

Zum Weiterlesen: Gisela Matthiae: „Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen.“ Mit Clownerie zur Glaubensfreude, Kreuz-Verlag 2013, 16,99 Euro (erscheint demnächst). Mehr Infos unter www.clownin.de.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 16. April 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, Menschen, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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