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Von – 17. April 2013

Politgespräche bei Tisch

Ideen zur Zukunft von Religion und Kirche boten die Tischreden beim ersten Frankfurter Frauenmahl am Sonntag in der Evangelischen Akademie am Römerberg.

Auf großes Interesse stoßen derzeit die Frauenmahle zur Zukunft von Religion und Kirche, die in vielen Regionen Deutschlands stattfinden. Foto: Ilona Surrey

Auf großes Interesse stoßen derzeit die Frauenmahle zur Zukunft von Religion und Kirche, die in vielen Regionen Deutschlands stattfinden. Foto: Ilona Surrey

„Wir müssen lernen, über Gott zu sprechen, ohne das Wort zu benutzen“ – mit dieser These provozierte Antje Schrupp, Publizistin, Bloggerin und Redakteurin von Evangelisches Frankfurt, gleich zu Anfang die rund achtzig Teilnehmerinnen beim ersten Frankfurter Frauenmahl in der Evangelischen Akademie am Römerberg. In der Tradition von Luthers „Tischreden“ waren sechs Frauen während eines festlichen öffentlichen Abendessens aufgefordert, sich zur Zukunft von Religion und Kirche in der Gesellschaft zu äußern – anschließend wurde an den Tischen darüber diskutiert.

Die sechs Tischrednerinnen Angelika Dorn, Andrea Ypsilanti, Gabriele Scherle, Rabeya Müller, Antje Schrupp, Barbara Ulreich (v.l.n.r.). Foto: Stephanie von Selchow

Die sechs Tischrednerinnen Angelika Dorn, Andrea Ypsilanti, Gabriele Scherle, Rabeya Müller, Antje Schrupp, Barbara Ulreich (v.l.n.r.). Foto: Stephanie von Selchow

Das Christentum entferne sich immer mehr aus der Kultur der Mehrheitsgesellschaft, erläuterte Schrupp. Wenn man, etwa bei Diskussionen im Internet, von „Gott“ rede, hagele es meist Vorwürfe gegen die Kirche und man komme nicht mehr zu den Inhalten. Statt über den Begriff zu streiten, sei es wichtiger, die Inhalte der „guten Botschaft“ zu vermitteln, etwa: „Gutes Leben für alle auf der Erde ist möglich.“

„Mischen Sie sich politisch mehr ein“

Die Politikerinnen Andrea Ypsilanti von der SPD und Angela Dorn von Bündnis 90/Die Grünen zeigten sich zunächst überrascht, als Tischrednerinnen eingeladen worden zu sein. Als „linke Feministin“ sei sie nicht kirchennah, sagte Ypsilanti. Angela Dorn war aufgefallen, wie selten sie dazu aufgefordert wird, über gesellschaftliche Verantwortung zu sprechen. In ihrer Rede sagte Ypsilanti, die Lösung der Wirtschaftskrise könne nicht darin bestehen, einfach weiter zu wachsen. Der Wohlstand der Industrieländer führe zur Ausbeutung der armen Länder. Es sei notwendig, die Erwerbsarbeit anders aufzuteilen und die Arbeit mit Kindern und Älteren aufzuwerten. Dorn wies darauf hin, dass die Menschheit 2020 doppelt so viele Ressourcen verbrauchen werde wie heute. Nicht nur die Energiewende müsse schneller umgesetzt werden, alle müssten bei den Themen Ernährung, Wohnen und Verkehr umdenken. Ypsilanti und Dorn forderten die anwesenden Kirchenfrauen dazu auf, sich politisch mehr einzumischen.

In den Räumen der Akademie am Römerberg war nur für achtzig Teilnehmerinnen Platz – kommen wollten nach Auskunft der Veranstalterinnen doppelt so viele. Foto: Ilona Surrey

In den Räumen der Akademie am Römerberg war nur für achtzig Teilnehmerinnen Platz – kommen wollten nach Auskunft der Veranstalterinnen doppelt so viele. Foto: Ilona Surrey

Die Islamwissenschaftlerin Rabeya Müller betrachtete mit Sorge, dass sich die islamischen Gemeinden in Deutschland derzeit genauso institutionell organisieren wie die Kirche. Das verfestige patriarchale Machtstrukturen, die dann auch zu theologischer Verhärtung führten. Barbara Ulreich, die in der Tradition des Judentums steht, wunderte sich darüber, dass angeblich jahrelang niemand in den Deutschland die Taten des rechtsradikalen Untergrund bemerkt habe: „Und dann werde ich gefragt, ob Antisemitismus in Deutschland noch ein Thema ist“, sagte sie.

Nach dem Nachtisch unterstrich Pröpstin Gabriele Scherle, dass Religion keineswegs „nur das Dessert“ sei. Ein diesseitiges Mahl wie an diesem Abend finde seine Verlängerung im Jenseits, „Ich glaube an ein himmlisches Mahl für und mit allen“, sagte Scherle.

Mehr Informationen zu den Frauenmahlen im Vorfeld des 500. Reformationsjubiäums 2017 unter www.frauenmahl.de.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 17. April 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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