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Von – 6. Mai 2013

Armut treibt Menschen nach Deutschland

Bulgarien ist seit seinem Beitritt zur Europäischen Union am 1. Januar 2007 das ärmste Land Europas. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 38,5 Milliarden Euro – gerade einmal 1,5 Prozent des deutschen. Die neuen Einwanderer kommen mit dem Bus oder mit schrottreifen Autos und haben oft nicht mehr, als sie am Leib tragen. Sie ziehen in Abbruchhäuser, wo findige Ausbeuter ihnen noch eine Monatsmiete für einen Matratzen-Schlafplatz abnehmen. Anspruch auf Hartz IV haben sie nicht. Den hat nur, wer zuvor hier gearbeitet hat und dann arbeitslos wird.

Es wird den Betroffenen kaum besser gehen, wenn ab Januar 2014 die volle Freizügigkeit für Rumänien und Bulgarien gilt. Denn das bedeutet nur, dass Fachkräfte aus diesen beiden Ländern leichter einen Job finden, weil ein Arbeitgeber nicht mehr einen gleich qualifizierten Deutschen bevorzugen muss. Der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, rechnet dennoch mit 120 000 bis 180 000 Einwanderern aus Rumänien und Bulgarien pro Jahr.

Der Deutsche Städtetag bezeichnete die Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien im Februar als „Armutseinwanderung“. Sein Präsident, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), wies darauf hin, dass die Versorgung der neuen Armen von den Sozialsystemen nicht mehr zu bewältigen sei. In manchen Städten habe sich die Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien seit Ende 2006 versechsfacht.

Bislang können Menschen aus EU-Ländern für drei Monate nach Deutschland einreisen, dann aber theoretisch nur bleiben, wenn sie eine feste Arbeitsstelle haben. Praktisch ist aber kaum zu kontrollieren, ob sie wieder ausreisen. Und ein sozialversicherungspflichtiger Job ist schwer zu bekommen.

Viele Osteuropäer machen sich daher bei der Ankunft in Deutschland selbstständig. Schlepper füllen für sie die nötigen Papiere aus und lassen sich diese Hilfe gut bezahlen. Ein Selbstständiger darf seine Familie nachholen, ab einem gewissen Verdienst hat er Anrecht auf Hartz-IV-Aufstockerleistungen. Manche arbeiten als Schrottsammler oder bieten Reinigungs- oder Transportdienstleistungen an. Andere verdingen sich als Tagelöhner auf Baustellen. Oder schließen sich, wenn alle Stricke reißen, organisierten Bettlerbanden an.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 6. Mai 2013 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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