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Von – 11. Mai 2013

Pfingsten: Mal schauen, was geht

Pfingsten ist das große Fest der weltweiten Christenheit. Gefeiert wird die Dynamik des Christentums, seine Ausbreitung über alle nationalen, kulturellen und einfach alle Grenzen hinweg in praktisch jeden Winkel der Erde.

Das Pfingstereignis, gemalt von El Greco im 16. Jahrhundert.

Das Pfingstereignis, gemalt von El Greco im 16. Jahrhundert.

Zurückgeführt wird diese Energie auf den Heiligen Geist, die Wirkkraft Gottes. Leider ist von diesen alle Widerstände überwindenden Impulsen hierzulande in den Gottesdiensten nicht immer viel zu spüren. Ein Grund für die fehlende „Be-Geisterung“ für das Pfingstfest und sein Schattendasein im Vergleich zu Weihachten und Ostern dürfte in den jeweils verengten Kirchenperspektiven liegen: Man nimmt zunächst nur die eigene Kirche als „richtig” wahr und sieht sehr deutlich die Andersartigkeit der anderen und damit das Trennende.

Verbunden ist dies mit der Angst, die eigenen Strukturen seien gefährdet. Christentum erscheint so vorwiegend als Zersplitterung eines nicht mehr wahrnehmbaren Ganzen, während es doch eigentlich als Mosaik und Gesamtkunstwerk gesehen werden will.

Alle christlichen Gruppierungen haben Wichtiges erkannt und pflegen es: Die Orthodoxen etwa legen größten Wert darauf, dass der Geist der sieben ökumenischen Konzile zwischen 325 und 787 im Blick bleibt, die Katholiken haben den Geist in ihre Hierarchie integriert, um die stets gefährdete Einheit über die Zeit flexibel zu wahren, und die Protestanten binden den Geist in die lebendige Zwiesprache mit der Heiligen Schrift. Zumindest die großen Konfessionen blicken dabei auf eine lange Geschichte und Erfahrung zurück.

Doch zwischen der Orientierung an Dogmen, Traditionen und etabliertem Schriftverständnis kann sich der Heilige Geist leicht verheddern – kein Wunder, dass sich die etablierten Kirchen mitunter schwer tun bei neuen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Da haben es die unzähligen Pfingstgemeinden in der ganzen Welt wesentlich leichter. Sie binden den Geist nicht ausschließlich an Dogmen, Ämter oder die Heilige Schrift, sondern lassen ihn frei wirken. Menschen, die ihn – wie einen ihnen zugeflogenen Vogel – haben, werden Kristallisationspunkte für neue Gemeinden. Und die reagieren ganz unbefangen von langer Geschichte auf ihre jeweilige Situation vor Ort.

Zugegeben, die Theologie der Pfingstgemeinden ist mitunter abenteuerlich, gemessen an der theologischen Seriosität der Etablierten. Aber der Heilige Geist will nun einmal nicht festgehalten werden, sondern frei fliegen und frischen Wind hinein bringen. Pfingsten ist das Fest der Horizonterweiterung: Mal schauen, was geht.

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Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 11. Mai 2013 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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