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Von – 23. Oktober 2013

Prokrastinieren, aber richtig

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ – so sagt bekanntlich der Volksmund. Und doch ist das Aufschieben eine verlockende Sache. Vor allem bei unangenehmen oder schwierigen Aufgaben.

Foto: Meyer Felix/Flickr.com

Foto: Meyer Felix/Flickr.com

Was man früher einfach „faul“ genannt hätte, hat heutzutage einen Namen, der viel hipper klingt: Prokrastination. Das ist Latein und setzt sich zusammen aus „pro“ (für) und „cras“ (morgen).

Besonders beliebt ist das Wort im Internet, wo das Prokrastinieren ja auch besonders leicht fällt: Statt die eigentlich anstehenden Arbeiten zu erledigen, kann man mal kurz bei Facebook schauen, mal eben diesem Link folgen, sich ein lustiges Video ansehen oder bei irgendeiner Debatte auf Twitter einsteigen. Oder auch damit kokettieren, dass man grade mal wieder prokrastiniert.

Doch es gibt es auch in der analogen Welt viele Möglichkeiten, sich vor der langweiligen Steuererklärung zu drücken oder vor dem unangenehmen Telefonanruf bei einem schwierigen Kunden. Manche entwickeln dann plötzlich einen unbändigen Drang, die Wohnung zu putzen oder erstmal den Schreibtisch gründlich aufzuräumen.

Verschiedene Menschen sind unterschiedlich anfällig für diese „Aufschieberitis“. Dabei reicht die Spanne nicht nur von denen, die Dinge gerne sofort erledigen bis zu solchen, die erst auf den letzten Drücker so richtig in Fahrt kommen. Auch das Verschieben selber weist eine große Bandbreite auf. Das reicht vom harmlosen Vertagen von Dingen, die tatsächlich genauso gut morgen erledigt werden können, bis zu ernsthaften psychischen Störungen, die das Zurechtkommen im Alltag so sehr erschweren, dass Betroffene sich besser professionelle Hilfe holen sollten.

Wenn unangenehme Tätigkeiten aufgeschoben werden, liegt das oft daran, dass man nicht genau weiß, wie man sie anpacken soll. Deshalb empfehlen Zeitmanagement-Ratgeber, die Arbeiten in kleinere Portionen aufzuteilen, bei denen die Aufgabenstellung konkret ist. Also statt: „Steuererkärung machen“ sich lieber erstmal vornehmen „Belege sortieren und zusammenrechnen“. Schritt für Schritt vorzugehen, macht Aufgaben weniger beängstigend.

Ein simpler Ruf nach „mehr Disziplin“ hingegen ist oft gar nicht sinnvoll. Manches, was heute noch ungeheuer dringend zu sein scheint, hat sich nämlich tatsächlich in ein paar Tagen von selbst erledigt. Und gerade bei Arbeiten, die Kreativität und Ideen erfordern, kann es besser sein, den richtigen Moment der Inspiration abzuwarten, anstatt krampfhaft auf einen leeren Bildschirm zu starren.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 23. Oktober 2013 in der Rubrik Lebenslagen, erschienen in der Ausgabe , .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Sigrid Fessel-Walter schrieb am 28. Oktober 2013

    Liebe Frau Schrupp,
    gesegnetet sei das Internet – ich suchte gerade einen Kurs im Benediktushof, falle über den Namen Pöppinghaus und bin plötzlich bei Ihnen und Ihrem Beitrag über Procrastination. Was für ein Weg.

    Ihr Beitrag erinnert mich an den Schreibtisch meiner Großmutter, die dort drei Ablagen stehen hatte, eine für „wichtig“, eine für „unwichtig, weg damit“ und eine für „erledigt sich von selbst“, so halte ich es heute auch. Ganz besonders den Mut zu entscheiden, „unwichtig, weg damit“ musste ich trainieren. Entscheiden – loslassen – erleichtert sein will geübt sein. Seit ich draufgekommen bin, dass ent-scheiden heißt, sich von den anderen Alternativen zu trennen, treffe ich Entscheidungen bewußt, aber ich treffe sie und freue mich dann am Gefühl der Erleichterung.
    Ich grüße Sie herzlich. Ihre Sigrid Fessel-Walter

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