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Von – 2. Dezember 2013

Nicht abschotten

Europa schottet sich ab vor Einwanderung. Flüchtlinge werden einseitig als Belastung für die Sozialsysteme und gar als Gefahr für die Sicherheit empfunden.

Auch die biblischen Flucht- und Migrationsgeschichten verlaufen nicht immer konflikt- und gewaltfrei. Aber sie durchziehen die Bibel wie ein roter Faden: Abraham erhält von Gott den Auftrag, mit seinem Clan nach Kanaan auszuwandern. Als er wegen einer Hungersnot nach Ägypten zieht, (als „Wirtschaftsflüchtling“ also), gibt er für seine Frau falsche Personalien an. Zwei Generationen später migriert sein Enkel Jakob mit Familie nach Ägypten. In seinen zahlreichen Nachkommen sieht der Pharao eine Gefahr, zumal die Israeliten ihre „fremde“ religiös-kulturelle Identität wahren wollen und im Kern jede Assimilation verweigern.

Auch viele Einzelschicksale werden in der Bibel geschildert: Mose flieht nach Midian, nachdem er in Ägypten einen Mord im Affekt begangen hat. Jakob flieht vor Esau, den er hinterlistig betrogen hat, nach Haran. Josef und Maria fliehen mit dem neugeborenen Jesus vor den Nachstellungen des Königs Herodes nach Ägypten. Ob sie heute in einem europäischen Land politisches Asyl erhalten würden, ist fraglich.

Fremd zu sein, gehört in der Bibel zu den Grunderfahrungen von Menschen. Sie wissen, wie sich das anfühlt, und haben eine lange Erfahrung, wie man Fremden begegnen kann – ohne Blauäugigkeit, aber zum beiderseitigen Nutzen. Unter den Regeln für ein Gott wohlgefälliges Leben findet sich daher im dritten Mosebuch diese: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägypten.” (19,33–34).

Im ersten Chronikbuch ist das Fremdsein sogar Bestandteil des Menschenbildes: „Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir (Gott) wie unsere Väter alle.” (1 Chronik 29,15). Folgerichtig formuliert Jesus als Kriterium für das Weltgericht, ob jemand Fremde beherbergt oder abgewiesen hat (Matth. 25,35 und 43).

Es gehört also zweifelsfrei zum Auftrag der Kirchen, verfolgten und bedrohten Menschen beizustehen, und das unabhängig von deren Bereitschaft, sich kulturell anzupassen. Das ist kein Argument für eine unregulierte Einwanderung, aber doch für eine Asylpolitik, die alle Möglichkeiten zur Behebung von Notlagen nutzt, anstatt bloße Gefahrenabwehr zu betreiben.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 2. Dezember 2013 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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