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Von – 17. Februar 2014

Zwischen allen Stühlen

Die Situation der 22 Männer aus der Gutleutkirche ist so prekär wie die der vielen Armutsflüchtlinge aus Osteuropa. Es fehlt an Anlaufstellen, an Infrastruktur, und das derzeitige Hilfesystem ist auf sie nicht eingerichtet.

Slums vor der Skyline: Im Gutleutviertel haben sich Armutsflüchtlinge in Betonverschlägen eingerichtet. Es gibt für sie nicht genügend Anlaufstellen und Hilfsangebote in Frankfurt. Auch der Tagestreff Weißfrauen der Diakonie Frankfurt ist längst an der Kapazitätsgrenze. Foto: Rolf Oeser

Slums vor der Skyline: Im Gutleutviertel haben sich Armutsflüchtlinge in Betonverschlägen eingerichtet. Es gibt für sie nicht genügend Anlaufstellen und Hilfsangebote in Frankfurt. Auch der Tagestreff Weißfrauen der Diakonie Frankfurt ist längst an der Kapazitätsgrenze. Foto: Rolf Oeser

März. Immer wieder ein Wort: März. Im März, so heißt es von Seiten des Diakonischen Werks und der Stadt Frankfurt, müssten die 22 afrikanischen Flüchtlinge die Gutleutkirche verlassen. „Die Anspannung der Männer ist deutlich zu spüren“, sagt Sabine Fröhlich. Die Pfarrerin der Gemeinde Cantate Domino, wo die Männer zuerst aufgenommen wurden, kümmert sich weiter um ihre Belange.

„Wir sind in engem Kontakt mit der Rechtsberatungsstelle des Evangelischen Zentrums für Beratung und Therapie am Weißen Stein“, sagt Fröhlich. Wegen ihrer ganz unterschiedlichen Lebens- und Migrationsgeschichten könnten die Männer aber nicht als Gruppe, sondern nur als Einzelpersonen beraten werden. „Ihre Chancen, eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu bekommen, sind sehr unterschiedlich.“

Gleichwohl reiße die große Hilfsbereitschaft der Menschen im Quartier nicht ab. „Wir wollen nicht aufgeben“, betont Fröhlich.

„Die Gutleutkirche war nie als Dauerlösung gedacht, aber wir sind guter Hoffnung, in vermittelnden Gesprächen einvernehmliche Lösungen zu finden“, sagt Pfarrer Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt. Für Menschen, die in der Mainmetropole stranden, fehlt es an Infrastruktur – egal, ob sie über Lampedusa aus Afrika gekommen sind oder als Armutsmigranten und -migrantinnen aus Osteuropa.

2700 Menschen seien derzeit in Frankfurt ohne festen Wohnsitz, sagt Manuela Skotnik, Referentin der Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). „Es ist schwer, Menschen wie den 22 Afrikanern dauerhaft zu helfen“, sagt sie. Weder seien die Männer in Deutschland ALGII-berechtigt, noch sei der Stadt etwas von laufenden Asylverfahren bekannt.

Renate Lutz vom Diakoniezentrum „Weser 5“ bestätigt das Problem. Im dortigen Tagestreff für Obdachlose suchen vor allem Menschen aus Rumänien und Bulgarien Hilfe, von denen einige nahe der Gutleutstraße in desolaten Betonverschlägen hausten. Migrantinnen und Migranten aus diesen beiden Ländern machten rund achtzig Prozent der Besucherinnen und Besucher aus, an manchen Tagen kämen bis zu 200, sagt Lutz. „Es wäre wünschenswert, dass die Stadt mehr Anlaufstellen schaffen würde.“

Peter Schäfer, der Leiter des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe, ist ebenfalls ratlos. „Wenn die Kostenübernahme für einen Schlafplatz weder durch eine ALG-II-Berechtigung noch durch Mittel aus dem Asylbewerberleistungsgesetz gewährleistet ist, können wir wenig tun.“

Die evangelische Kirche setzt sich für eine Neuausrichtung der europäischen Asylpolitik ein. Es müssten legale Wege nach Europa eröffnet und entsprechende Aufnahmebedingungen geschaffen werden, forderte etwa die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland im November.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 17. Februar 2014 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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