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Von – 21. September 2014

Ohne Keks zum Glück: Amet Bick

Sie kennt den Weg zum Glück. Zugegeben: Das klingt jetzt vermutlich nach einem der vielleicht 8354 lieferbaren Glücksbuchtitel. Doch die Lektüre von Amet Bicks „Mein starkes Herz“ hat mich begeistert, weil eine bekennende Rationalistin durch die Welt der Gefühle spaziert. Jetzt war sie in Frankfurt.

Foto: Georg Magirius

Foto: Georg Magirius

Sie war fast tot, erzählt sie, und fand das Glück. Und das ging so: Von einer Stunde auf die andere wird sie ins Krankenhaus eingeliefert. Kurz nach der Diagnose ist die 42-Jährige an einer Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, ihr Brustkorb wird aufgesägt und ein große Tumor mitten aus dem Herz heraus geschnitten.

Sie überlebt die OP und beschließt: Ein Jahr gibt sie sich Zeit, das Glück zu suchen. Die Theologin, die als Programmleiterin eines Verlags in Berlin arbeitet, startet eine Tour durch die Welt der Helfer, spirituellen Heilerinnen, und Glücksanbieter, trifft auf Kinesiologinnen, Reiki-Meister, Psychologen, Meditationsanleiterinnen.

Vor dem Treffen mit der Glücksforscherin bin ich aufgeregt. Wie wird es sein, wenn die von mir erlesene und die real existierende Amet Bick gleichsam zusammentreffen? Sind das getrennte Welten oder gibt es eine Überbrückung? Meine Aufregung erinnert mich an das, was man beim Gehen über den Holbeinsteg erleben kann, wenn die Schritte nicht betonfest abgesichert sind. Stattdessen spürt man, wie der Steg schwingend reagiert.

Zur verabredeten Zeit hat Amet Bick tatsächlich den Main zu Fuß überbrückt. „Ich hatte den Drang zu gehen“, sagt sie, als sie am Hauptbahnhof die Straßenbahn ohne sich hat fahren lassen und nach Sachsenhausen spaziert ist. Das ist der Anfang. Am Ende des Gesprächs ist keiner der von mir eigens besorgten Bienenstich-Mini-Kekse angerührt.

Selbstsicher und aufmerksam

Auch sie sei aufgeregt gewesen, resümiert sie. Vermutlich finden nicht jeden Tag bei ihr Nahtodahnung, Herz-OP, Gottesfrage und Glückssuche Platz in einem 60-minütigen Gespräch. Der bei Gesprächszusammenkünften oft typische Griff zum Keks hat also Urlaub.

Wer aber ist Amet Bick denn nun? Einer der selbstsichersten Menschen, die ich je gehört habe. Sie spricht nicht laut, auch nicht rasant, haut nicht auf den Tisch, sondern horcht ihren Gedanken nach, die ganz eigene und oft überraschend komische Wege gehen.

Sie spricht nicht von irgendwelchen universalen Angelegenheiten, sondern von sich. Es ist das Gegenteil von Arroganz. Während ihrer Glückssuche habe sie beschlossen, sich selbst zu mögen, sagt sie an einer Stelle im Gespräch. Habe ich deswegen das Gefühl, dass ich in dieser Stunde so viel Luft wie sonst selten bekomme? Ja, das wird es sein: Weil sie freundlich von sich spricht, lässt sie andere auf aufmerksame Weise in Ruhe.

Das Gespräch mit Amet Bick lesen >>>  hier.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 21. September 2014 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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Georg Magirius ist Theologe und Schriftsteller und Kolumnist bei "Evangelisches Frankfurt". Mehr unter www.georgmagirius.de.

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