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Von – 7. Juli 2015

Die Kirche und die Alten – ein zunehmend schwieriges Verhältnis

„Mit dem Alter kommt der Psalter“ behauptet das Sprichwort. Doch es ist fraglich ist, ob es heute noch stimmt, dass die Menschen im Alter quasi automatisch religiöser werden.

Foto: aletia2011_Fotolia.com

Foto: aletia2011 / fotolia.com

Zur Frage, wie es in einer älter werdenden Gesellschaft um das Verhältnis zwischen Kirche und alten Menschen steht, hatte das Evangelische Stadtdekanat Frankfurt bei seiner jüngsten Sitzung Jens-Peter Kruse eingeladen, den Vorsitzenden der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Sein Urteil war relativ drastisch: In den meisten Kirchengemeinden herrsche eine falsche Vorstellung vom Alter. Noch immer würden viele Pfarrerinnen und Pfarrer mit Alter Gebrechlichkeit und Todesnähe assoziieren, und entsprechend sei das kirchliche Angebot für Seniorinnen und Senioren ausgerichtet – Hilfe für die Gebrechlichen, Geselligkeit für die Einsamen.

Doch damit treffe man nicht mehr die Gemütslage der heutigen Generation 60plus. Diese Menschen seien nicht gebrechlich und betreuungsbedürftig, sondern aktiv und engagiert. Die nachberufliche Lebensphase sei heute für die meisten mit Aufbruch, Lebensfreude und Abenteuerlust verbunden. Wenn Kirchengemeinden diese Generation für sich interessieren möchten, müssten sie ihnen Möglichkeiten anbieten, ihre Kompetenzen, Potenziale und Kreativität auszuleben. Zwar hätten auch die klassischen Altennachmittage noch ihre Berechtigung, sie müssten sich aber gezielt an hochaltrige Menschen jenseits der Achtzig richten.

Jedenfalls sind laut Kruse die Zeiten vorbei, in denen Menschen im Alter quasi automatisch wieder in die Kirche kommen. Die jüngste EKD-Mitgliedsstudie von 2014 habe zwar ergeben, dass tatsächlich alte Menschen im Schnitt heute immer noch der Kirche verbundener sind als Jüngere. Doch wenn man das mit früheren Mitgliedschaftsstudien vergleicht, so sei der Trend doch stark rückläufig. „Man kann sich auf die Alten nicht mehr verlassen“, kommentierte Kruse ironisch.

Für problematisch hält der Altersexperte, dass vielerorts in der Kirche immer noch das Motto „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft“ hochgehalten werde. Sicher sei Jugendarbeit wichtig, aber das Potenzial der „Jungen Alten“ zu ignorieren sei fahrlässig.

Ob allerdings die Chancen wirklich so gut stehen, Menschen im Alter von 60plus noch einmal neu für die Kirche zu aktivieren, wenn sie der Gemeinde nicht vorher schon stark verbunden waren, wurde in der anschließenden Diskussion der Stadtsynode durchaus mit ein paar Fragezeichen versehen. So berichtete etwa Pfarrer Holger Wilhelm von der Gemeinde Hausen über den gescheiterten Versuch, gerade Menschen dieser Altersgruppe als Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchenvorstand zu gewinnen. „Aber sie haben fast alle abgesagt, meistens mit der Begründung, sie hätten keine Zeit.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 7. Juli 2015 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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