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Von – 16. November 2015

Büßen ist keine Strafe

Am Buß- und Bettag, Mittwoch, 18. November, gestalten der evangelische Stadtdekan Achim Knecht und der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz gemeinsam den zentralen Gottesdienst in Frankfurt, und zwar um 19 Uhr in der Katharinenkirche an der Hauptwache. Aber worum geht es eigentlich bei diesem Tag?

Foto: blickpixel/Fotolia.com

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Der Buß- und Bettags-Gottesdienst wird auch Gelegenheit sein, dem Entsetzen über die Terroranschläge in Paris Ausdruck zu verleihen, der Opfer zu gedenken, und für sie und ihre Angehörigen und für Frieden zu beten. Selten ist die Notwendigkeit von Buße so konkret und drängend wie in diesem Jahr.

Allerdings wird heute unter „Buße“ meist so eine Art Strafe verstanden. Man bezahlt etwa eine Geldbuße für zu schnelles Fahren. Aber von seiner germanischen Herkunft her bedeutet das Wort eigentlich „Besserung“. Dieser positive Aspekt geht verloren, wenn die Androhung einer Buße vor allem Furcht auslöst. Die Betroffenen versuchen dann eher, der Sanktion aus dem Weg zu gehen, anstatt sich zu bessern.

Während im Weltlichen immerhin reale Chancen bestehen, unentdeckt zu bleiben und der Buße zu entgehen, liegt das Risiko im religiösen Bereich bei hundert Prozent: Gott sieht alles. Das hat die Kirche lange Zeit ausgenutzt, um sich zu bereichern und Kontrolle auszuüben, etwa indem sie das Fegefeuer erfand.

In der Bibel ist aber etwas anderes gemeint. „Umkehr“ ist in der Hebräischen Bibel notwendig, um den Folgen zu entgehen, die einer bösen Tat innewohnen. Umkehr meint eine fundamentale Rückbesinnung auf Gottes Willen: Man erkennt und bereut falsche Wege und Einstellungen und richtet die eigene Existenz (wieder) neu auf Gott aus. Auch Paulus spricht vom Umdenken, von einer nachhaltigen und das ganze Leben umfassenden Sinnesänderung: Man kehrt um von einem Irrweg und findet den Weg, der tatsächlich zum Ziel führt, nämlich in die Gemeinschaft mit Gott.

Nach protestantischem Verständnis steht hinter der Aufforderung zu Umkehr und Neubesinnung nicht die Androhung einer Sanktion, im Gegenteil: Der allwissende und allmächtige Gott ist bereit zur Vergebung der Schuld. Der Sünder, die Sünderin kann sich sicher sein, „freigesprochen“ zu werden, und wird deshalb auch eher den Mut aufbringen, das Misslungene und Falsche offen zuzugeben. Das wiederum ist Voraussetzung für tatsächliche Buße im Sinne einer Besserung. Wer von der Last der Schuld befreit ist und Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat, macht nicht einfach weiter wie bisher, sondern versucht, aus den Fehlern zu lernen. Buße ist kein verbissener Kampf mit Angst im Nacken, sondern dankbare Reaktion auf die Erfahrung der Vergebung.

Gottes Barmherzigkeit bewirkt Buße, nicht umgekehrt. Dabei ist Buße zwar Besserung, aber keine Vervollkommnung. Sie bleibt ein lebenslanger Prozess, auf dem es immer wieder Rückschläge gibt.

Im Kirchenjahr gibt es besondere Zeiten, in denen die Buße in den Mittelpunkt rückt: im Advent, vor Ostern, und besonders eben am Buß- und Bettag. Nähere Informationen zu diesem Feiertag hat auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ins Internet gestellt unter: www.hausputz-fuer-die-seele.de.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 16. November 2015 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe , .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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