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Von – 6. November 2015

Eigener Kosmos Hochschule

Die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) an der Goethe-Universität bietet vieles, unter anderem den besten Cappuccino weit und breit. Und sie ist auch nicht nur ein Treffpunkt für Evangelische.

Genießen den berühmten Cappuccino im Café der Evangelischen Studierendengemeinde: Pfarrerin Ruth Habermann und der Pädagogikstudent Mohamed El-Dakhakhny. Foto: Rolf Oeser

Genießen den berühmten Cappuccino im Café der Evangelischen Studierendengemeinde: Pfarrerin Ruth Habermann und der Pädagogikstudent Mohamed El-Dakhakhny. Foto: Rolf Oeser

Es riecht nach Kaffeebohnen. Nach exzellenten Kaffeebohnen. Durch das Foyer des evangelischen Studierenden-Wohnheims auf dem Campus Westend laufen junge, gut gekleidete Menschen mit Rucksäcken und großen Handtaschen und schauen sich um: Erstsemester der Wirtschaftswissenschaften bei ihrer Orientierungswoche.

Pfarrerin Ruth Habermann steht mittendrin, im Café „hoppenworth&ploch“, das nicht nur an der Goethe-Universität eine Berühmtheit ist. Die beiden Betreiber, Julian Ploch und Matthias Hoppenworth, sind ehemalige Studenten, die sich auch in der ESG, der Evangelischen Studierendengemeinde, engagiert haben. „Sie sind ausgebildete Baristas, also professionelle Kaffeezubereiter, und haben bei der Barista-Weltmeisterschaft den zweiten Platz belegt“, sagt Habermann, die als geschäftsführende Pfarrerin zusammen mit ihrem Kollegen Eugen Eckert in der ESG arbeitet. Es klingt ein bisschen stolz, was vielleicht mit dem tollen Cappuccino, sicher aber auch mit der offenkundigen Verbundenheit der Ehemaligen zu tun hat.

Denn was die Studierendengemeinde von einer Gemeinde im Stadtteil unterscheidet, ist die zeitliche Begrenztheit der Beziehungen, die hier geknüpft werden: Ein Studium dauert nicht ewig. „Es ist eine kurze Zeit von intensivem Zusammenleben und -arbeiten“, sagt Habermann. Die Orientierungswochen zu Beginn des Semesters sind eine wichtige Zeit. Orientierung geben im Kosmos Universität, der den Neuen wie eine fremde Kleinstadt vorkommen muss, dafür ist die Gemeinde da. Geistliche Orientierung, natürlich, aber auch ganz praktische. Es geht darum, einen sozialen Raum zu schaffen, in dem sich sehr unterschiedliche Menschen wohlfühlen.

Für Mohamed El-Dakhakhny zum Beispiel, der seit drei Jahren Erziehungswissenschaften studiert. Er ist zwar Muslim, aber dennoch einer der Aktivsten in der ESG: Er hilft im Sekretariat aus, verteilt Flyer, berät ausländische Studierende und veranstaltet den extrem beliebten Kurs „Arabisch Kochen“. „Ich habe das Gefühl, hier willkommen zu sein, auch wenn ich kein Christ bin.“

Ruth Habermann, die unter anderem bei der feministischen Theologin Dorothee Sölle studiert hat, ist seit 15 Jahren Pfarrerin auf dem Campus und schätzt, dass es hier „keine Routine“ gibt. Mit ihren rund 35 000 Studentinnen und Studenten ist die Goethe-Uni größer als viele Frankfurter Stadtteile, was auch für die Bandbreite der Gemeinde-Angebote gilt: Zumba kann man an der ESG ausprobieren, sich beim Pilates einen Muskelkater holen, Swahili lernen und Fußball spielen. Natürlich fehlen die Klassiker nicht: Chor, Konzerte, seelsorgerische Beratung. Ruth Habermann hilft mit Achtsamkeits-Seminaren bei Prüfungsstress und bietet sogar Sterbebegleitung an.

Eine Kirche gibt es auf dem Campus auch, zumindest zeitweise, denn das „Haus der Stille“, ein eiförmiges Gebäude aus Holz, steht allen Religionsgemeinschaften offen – Protestanten, Katholiken, Muslime und Juden nutzen das geistliche Zentrum abwechselnd für ihre Gottesdienste. Und beim besten Cappuccino der Stadt kommen sowieso alle zusammen.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 6. November 2015 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe , .

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Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de.

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