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Von – 12. November 2015

Frieden – wie geht das?

Wohl alle wünschen sich Frieden, aber wie kommt er zustande? Dazu zeigt das Zentrum Ökumene noch bis zum 18. November in der Frankfurter Innenstadt eine Ausstellung über weltbewegende Friedensprozesse. Die einzelnen Stationen bilden zusammen einen Pilgerpfad des Friedens.

Foto: Silke Kirch

Foto: Silke Kirch

Pilgerwege führen nicht selten durch fremdes Terrain und bieten zugleich mannigfaltige innere Anknüpfungspunkte. In der Ausstellung über Friedensprozesse begegnete mir Altbekanntes und überraschend Neues: Altes Schulwissen über den Kalten Krieg etwa, über den Einsatz von UN-Blauhelmen auf Zypern oder über die Bedeutung des Boykotts als Waffe im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Für Jugendliche von heute, an die sich die Ausstellung dezidiert (aber nicht ausschließlich) wendet, sind dies historische Ereignisse, die zu weit zurückliegen, als dass sie eine innere Verbindung dazu haben könnten. Wie also können sie einen Zugang finden?

Diejenigen, die die Ausstellung konzipierten, haben das klug bedacht: Was im Großen in der Welt wirkt, kann auch im Kleinen buchstabiert werden. Der Kalte Krieg auf der Bühne der Weltpolitik spiegelt schließlich ein bekanntes Phänomen: Ein Konflikt tritt auf – sei es zwischen Freunden oder in einer Fußballmannschaft – die Stimmung kühlt ab, die Beziehung erstarrt, die Begegnungen werden schneidend, eine Eskalation droht. Das ist eine altersunabhängige Erfahrung. Hinter der äußeren Kälte verbirgt sich die Gefahr der Explosion, historisch der Atomkrieg, zwischenmenschlich die verbale oder physische Attacke – offen oder verdeckt.

Auch was Debora Mabiletsa, deren Bruder zusammen mit Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert war, über die Apartheid sagt, ist hochaktuell und findet gerade jetzt wieder vor unserer Haustür statt: Menschen werden angespuckt; das kann ebenso vernichtend wirken wie physische Gewalt. Der nette Herr, der in der Katharinenkirche die Ausstellung betreut, erzählt mir, er habe das erst kürzlich bei einer Demonstration vor der Kirche erleben müssen.

Die Zusammenschau von menschlichem Verhalten in Konfliktfällen und historischen Fakten leistet auf ganz einfache Weise sehr viel: Sie zeigt, dass wir alle etwas tun können. Das geschieht nicht von der Kanzel herab mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf einem produktivem Wege, den jeder sich pilgernd auf seine Weise erschließen kann.

Denn die Weltgeschichte hält nicht nur Dramen bereit, sondern auch große Vorbilder: Oberst Petrow beispielsweise, der in den 80er Jahren einen Fehlalarm erkannte und so einen Atomkrieg verhinderte, oder die singende Revolution der Letten, Litauer und Esten, die über die Pflege ihrer Traditionen die innere Stärke aufbauten, um sich ihren Weg aus der Repression durch die russische Besatzung bahnen zu können.

Die Ausstellung ermutigt dazu, über die einzelnen Beiträge in einen Austausch zu kommen und die eigenen Fragen zu finden: Manchmal geht es darum, bewusst in einen Friedensprozess einzutreten, manchmal darum, zu erkennen, dass wir längst schon Teil eines Friedensprozesses sind. Eine Gelegenheit, Frieden zu stiften, findet sich genauso schnell wie die Möglichkeit, in die Fallstricke von Konflikten zu geraten.

Hier ein Link zu den einzelnen Stationen des Rundwegs.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 12. November 2015 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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